August 2, 2019 / 5:13 AM / 23 days ago

Südkorea reagiert ungewohnt scharf im Streit mit Japan

National flags of South Korea and Japan are displayed during a meeting between Komeito Party members and South Korean lawmakers at Komeito Party's headquarters in Tokyo, Japan, July 31, 2019. REUTERS/Kim Kyung-Hoon

Tokio/Seoul (Reuters) - Mitten im eskalierenden Handelskonflikt zwischen China und den USA verschärfen sich auch die Spannungen zwischen den beiden US-Verbündeten Japan und Südkorea.

Die Regierung in Tokio entschied am Freitag, Südkorea als erstem Land überhaupt Handelsprivilegien zu entziehen. Südkoreanische Firmen müssen sich damit auf mehr Bürokratie einstellen. Die Regierung in Seoul drohte umgehend Gegenmaßnahmen an und reagierte mit ungewöhnlich scharfen Worten: In einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung sagte Präsident Moon Jae-In: “Wir werden uns nicht wieder von Japan besiegen lassen”. Damit spielte er auf die schwierige Geschichte beider Länder an, die unterschwellig im jüngsten Handelskonflikt eine zentrale Rolle spielt.

Japan will Südkorea von der sogenannten weißen Liste nehmen, auf der 27 Länder mit den geringsten Handelsbeschränkungen stehen - darunter Deutschland und die USA. Die Maßnahmen seien aus Gründen der nationalen Sicherheit getroffen worden und würden ab dem 28. August greifen, so die Regierung in Tokio.

Südkoreas Finanzminister Hong Nam-Ki sagte, als Gegenmaßnahme werde erwogen, Japan von der eigenen Liste privilegierter Handelspartner zu streichen. Das südkoreanische Außenministerium bestellte laut der Nachrichtenagentur Yonhap den japanischen Botschafter in Seoul ein und erklärte, Japan werde nicht länger als eine “befreundete Nation” betrachtet.

SÜDKOREA: ENTZUG DER PRIVILEGIEN IST ÖFFENTLICHE DEMÜTIGUNG

Die Eskalation dürft den Handel zwischen Japan und Südkorea beeinträchtigen, die beide stark vom Export abhängig sind und aktuell mit einer nachlassenden Nachfrage aus China zu kämpfen haben. Zudem stehen beide Länder in der Erwartung der USA, im Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm an einem Strang zu ziehen.

Doch ein hochrangiger Vertreter der Regierung in Seoul sagte am Freitag, Südkorea werde überprüfen, ob es ein Programm zum Austausch von Informationen der Militärgeheimdienste beider Länder fortsetze. Der Entzug der Handelsprivilegien sei eine “öffentliche Demütigung”, erklärte der Vize-Sicherheitsberater von Präsident Moon, Kim Hyun-Chong. Japan habe Hürden für einen Friedensschluss auf der koreanischen Halbinsel aufgebaut. Der Korea-Krieg wurde 1953 nur mit einem Waffenstillstand beendet.

Der Konflikt zwischen Japan und Südkorea reicht im Kern noch weiter zurück und löste schon im vergangenen Jahr eine Verschlechterung der Beziehungen aus: Im Oktober entschied das oberste Gericht Südkoreas, dass japanische Firmen Entschädigung an Südkoreaner zahlen müssen, die während der Besetzung der koreanischen Halbinsel von 1910 bis 1945 Zwangsarbeit leisten mussten. Japan reagierte empört und erklärte, dass bereits 1965 eine Einigung diesbezüglich erzielt worden sei. Der Streit hatte sich hochgeschaukelt, als Japan die Belieferung südkoreanischer Technologiekonzerne mit Baumaterialien für Handys und Halbleiter beschränkte. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt.

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