March 22, 2011 / 10:10 AM / 9 years ago

Steigende Reaktortemparaturen schüren Angst in Japan

Das von Tokyo Electric Power Co. am 21. März 2011 veröffentlichte Bild zeigt Rauch, der von Reaktor 3 des Atomkraftswerks Fukushima Daiichi in Tomioka im Nordosten Japans aufsteigt. REUTERS/Tokyo Electric Power Co.

Tokio (Reuters) - Ein Temperaturanstieg im japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima hat die Angst vor einem atomaren Super-GAU erneut angefacht.

Zudem zerstreuten Rauch und Dampf über mehreren Reaktorblöcken am Dienstag die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Atomkrise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Dennoch nahm die Betreibergesellschaft Tepco die Arbeiten wieder auf, um das nach Erdbeben und Tsunami schwerbeschädigte Kernkraftwerk unter Kontrolle zu bringen. Der ausgetretene Dampf sei ungefährlich gewesen, teilte Tepco mit. In der Anlage war es bereits mehrfach zu Explosionen gekommen, durch die Experten zufolge radioaktive Teilchen in die Umwelt gelangten. Die Behörden verneinten eine Gesundheitsgefährdung durch die inzwischen in Wasser und Lebensmitteln festgestellte Strahlung. Dennoch wuchs die Sorge vor radioaktiv verseuchter Nahrung.

Für neue Ängste sorgte insbesondere Reaktorblock 1, in dessen Kern die Temperatur auf 380 bis 390 Grad angestiegen war. Normal seien knapp 300 Grad, erläuterte ein Tepco-Manager. Um den Reaktorkern etwa mit Wasser herunterzukühlen, brauche man mehr Zeit. Auf die Frage, ob sich die Lage verschlechtert habe, antwortete Tepco-Vizepräsident Sakae Muto ausweichend: “Noch ist es zu früh, von hinreichender Stabilität zu sprechen.”

Nach einer fast zehnstündigen Unterbrechung hatte Tepco die Arbeiten am Stromnetz rund um die Unglücksreaktoren wieder aufgenommen. Der AKW-Betreiber versucht, die vier durch die Naturkatastrophen vor elf Tagen schwerbeschädigten Meiler mit Strom zu versorgen und die Kühlsysteme wieder zum Laufen zu bringen. Doch das Unternehmen zog vorübergehend alle seine Mitarbeiter von dem Gelände ab, als erneut Dampf über den Blöcken 2 und 3 aufstieg.

“Wir haben entschieden, dass es sicher ist, weiterzuarbeiten”, erklärte ein Tepco-Sprecher später. Der ausgetretene Dampf sei ungefährlich gewesen. Nach Ansicht der japanischen Atomsicherheitsbehörde handelte es sich wahrscheinlich um Dampf aus dem Abklingbecken. Die Tokioter Regierung weitete die Sicherheitszone rund um die Unglücksreaktoren nicht aus. Dies sei nicht nötig, hieß es.

BELASTUNG IN ISLAND

Inzwischen wurde in Wasser, Gemüse und Milch aus der Region eine radioaktive Belastung festgestellt. Die Behörden haben einige Anwohner nahe des Kernkraftwerks aufgefordert, kein Leitungswasser mehr zu trinken. Auch der Handel mit Milch sowie Spinat und anderem Gemüse aus der Gegend wurde verboten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, es gebe keine Hinweise, dass verseuchte Waren ins Ausland gelangt seien. Spuren hinterlässt die Katastrophe dennoch inzwischen in anderen Teilen der Welt. So wurden im mehr als 8000 Kilometer entfernten Island Isotope nachgewiesen, die wahrscheinlich aus Fukushima stammten.

Die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl vor 25 Jahren wurde von dem heftigen Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami am 11. März ausgelöst. Durch die Erdstöße und riesigen Flutwellen starben offiziellen Angaben zufolge mehr als 9000 Menschen, doch mehr als 12.000 weitere werden noch vermisst.

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