October 5, 2010 / 5:39 AM / 10 years ago

Japans Notenbank kehrt zur Nullzinspolitik zurück

The word "Yen" is pictured on a Japanese bank note at Interbank Inc. money exchange in Tokyo, in this September 9, 2010 picture illustration. REUTERS/Yuriko Nakao

Tokio (Reuters) - Japan kämpft mit immer drastischeren Mitteln gegen die Wirtschaftskrise.

Geschäftsbanken können sich bei der Zentralbank praktisch kostenlos mit Geld eindecken. Der Leitzins wurde am Dienstag auf 0 bis 0,1 Prozent gesenkt, nachdem bislang ein Mini-Zins von 0,1 Prozent fällig wurde. Erstmals seit über vier Jahren kehrt die Bank of Japan damit zur Nullzinspolitik zurück, die sie bereits zwischen 2000 und Mitte 2006 praktiziert hatte. Gleichzeitig pumpt sie umgerechnet bis zu 44 Milliarden Euro in den Markt: Für diese Summe will sie Vermögenswerte kaufen und die Wirtschaft so mit frischem Geld fluten.

“Diese Maßnahmen mögen jede für sich genommen keine große Wirkung erzielen”, sagte Notenbankchef Masaaki Shirakawa. “Aber wir wollen den Effekt maximieren, indem wir die Schritte im Paket umsetzen.” Die Nullzinspolitik werde so lange beibehalten, bis wieder Preisstabilität erreicht werde. Seit Anfang 2009 steckt das Land in einer Deflation - einem Preisverfall auf breiter Front. Mit billigem Geld will die Notenbank Konsum und Investitionen ankurbeln und damit die Deflation stoppen. Die hartnäckig fallenden Preise haben verheerende Folgen für die Wirtschaft: Unternehmensgewinne schrumpfen, Investitionen werden gestoppt, Arbeitsplätze abgebaut.

EXPERTEN SIND ÜBERRASCHT

Schon im September hatte Japan mit einem Eingriff in den Devisenmarkt für Aufsehen gesorgt: Erstmals seit sechs Jahren kaufte das asiatische Land Dollar, nachdem der Wechselkurs des Yen gegenüber der US-Währung auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert war. Nach dieser Maßnahme hatte die Regierung den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldschleusen zu öffnen. Japan leidet unter eine schlappen Konjunktur. Während die Nachbarn China und Südkorea rasant wachsen, macht der drittgrößten Volkswirtschaft der starke Yen zu schaffen. Er verteuert die Exporte und beeinträchtigt damit die Wettbewerbsfähigkeit von großen Konzernen wie Toyota, Honda, Sony und Panasonic.

Experten zeigten sich überrascht über das Vorgehen der Notenbank. “Diese Schritte sind aggressiver, als die Märkte erwartet hatten”, sagte Naomi Hasegawa von UFJ Morgan Stanley Securities. Die Notenbank will einen fünf Billionen Yen schweren Fonds aufsetzen. Er soll Vermögenswerte - von Unternehmens- bis hin zu Staatsanleihen - kaufen und damit Geld in den Wirtschaftskreislauf drücken.

Der Markt reagierte prompt: Der japanische Aktienmarkt verzeichnete Kursgewinne, während der Yen wie gewünscht unter Druck geriet.

Experten gehen davon aus, dass auch die amerikanische Notenbank Fed ihre Geldschleusen im Herbst öffnen könnte. Die weltgrößte Volkswirtschaft leidet ebenfalls unter einer schwachen Konjunktur, die von einer hohen Arbeitslosigkeit begleitet wird. Auch die Bank of England könnte zu ähnlichen Maßnahmen greifen.

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