July 5, 2015 / 10:40 AM / 4 years ago

Islamischer Staat macht Al-Kaida im Jemen Konkurrenz

Smoke billows from the site of a Saudi-led air strike in Yemen's capital Sanaa, July 2, 2015. REUTERS/Khaled Abdullah - RTX1IQ6W

Dubai (Reuters) - In Syrien und im Irak ist der Islamische Staat (IS) längst die dominierende Kraft unter den sunnitischen Extremistenmilizen.

Nun ist der IS auch im Jemen dabei, der in dem Bürgerkriegsland bisher dominierenden Al-Kaida Konkurrenz zu machen. Bislang beträgt die Zahl der IS-Kämpfer nach Schätzungen des früheren Al-Kaida-Insiders Aimen Dean erst rund 300, während Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Akap) mehrere Tausend Kämpfer hat. Doch dürfte es nach Einschätzung Deans, der heute ein Unternehmen für Sicherheitsberatung am Golf führt, nur noch drei bis sechs Monate dauern, bis es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen kommt.

Traditionell ist der Jemen eine Hochburg der Akap. Die Organisation ging 2009 aus einem Zusammenschluss des jemenitischen und saudiarabischen Flügels des von Osama bin Laden gegründeten Netzwerks hervor. Unter anderem bekannte sie sich zum tödlichen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” im Januar. Doch scheint sie mittlerweile an Unterstützung im Jemen zu verlieren. Im Februar berichtete die US-Internetseite SITE, eine ganze Gruppe mutmaßlicher Akap-Anhänger sei zum IS übergelaufen. Und eine jemenitische Nachrichtenseite meldete, der führende Akap-Funktionär Dschalal Baleidi habe ebenfalls die Seiten gewechselt und baue ein Ausbildungslager für IS-Kämpfer an der Grenze zu Saudi-Arabien auf.

Die derzeitige Schwäche von Akap ist auch eine Folge der US-Drohnenangriffe auf führende Vertreter der Organisation. Unter anderem wurde Anfang Juni Nasser al-Wuhajschi, die weltweite Nummer Zwei von Al-Kaida, in der südlichen Hafenstadt al-Mukulla getötet. Einige Beobachter wie Ibrahim Sharqieh Frehat vom Brookings Doha Center meinen gar, dass die Methoden der US-Extremistenbekämpfung ein Klima erzeugt haben, das dem IS beim Aufbau förderlich ist. “Es ist ein Muster, wie wir es im Irak und in Syrien gesehen haben”, sagt er. Eine Schwächung von Al-Kaida werde nur dem IS beim Aufstieg helfen.

Vor Ort profiliert sich der IS allerdings auch mit spektakulären Anschlägen auf die schiitischen Huthi-Milizen, die sich einen erbitterten Krieg mit einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition arabischer Länder liefert. Im März wurden bei IS-Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen in der Hauptstadt Sanaa 137 schiitische Gläubige getötet. Anfang Juni griffen sie mit Autobomben Moscheen und das Hauptquartier der Huthis an. Dabei wurden zwei Menschen getötet.

Wie Akap hängt auch der IS einer strengen sunnitischen Lehre an. In Heiligtümern sehen sie ein Zeichen der Ungläubigkeit, und Schiiten betrachten sie als Abtrünnige. Allerdings vertritt der IS eine Position, der die Tötung schiitischer Zivilisten vorsieht, eine Haltung die von Al-Kaida als rücksichtslos gewalttätig abgelehnt wird.

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