June 15, 2010 / 2:22 PM / 9 years ago

UN befürchten bald 100.000 Flüchtlinge aus Kirgistan

Pakistani students arrive at Chaklala Airbase in Rawalpindi near Islamabad June 15, 2010, after they were evacuated following the recent outbreak of ethnic riots in Kyrgyzstan. REUTERS/Faisal Mahmood

Bischkek (Reuters) - Nach der Gewalt zwischen den Volksgruppen in Kirgistan nimmt die Sorge über das Schicksal der zehntausenden Flüchtlinge zu.

Die Behörden im benachbarten Usbekistan berichteten von 75.000 Menschen, die auf ihrer Seite der Grenze Schutz suchten, sagte der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Miroslav Jenca, am Dienstag. “Aber diese Zahl steigt und könnte bald bei mehr als 100.000 liegen.” Es müsse unbedingt verhindert werden, dass die Gewalt zwischen Kirgisen und Usbeken im Süden von Kirgistan auf andere Teile Zentralasiens übergreife.

Auslöser der jüngsten Unruhen war nach UN-Angaben eine koordinierte Serie von Überfällen in der südkirgisischen Stadt Osch. “Wir haben starke Hinweise darauf, dass es sich hier nicht um einen spontanen, ethnisch motivierten Gewaltausbruch handelt, sondern dass es zu einem gewissen Grad orchestriert, geplant und gezielt durchgeführt wurde”, sagte ein Sprecher der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay. Das Büro von Pillay habe in den vergangenen Tagen Berichte von Augenzeugen gesammelt und ausgewertet. Mehrere dieser Berichte würden nahelegen, dass die Unruhen mit fünf parallelen Überfällen in Osch begannen, wobei die Täter bewaffnet und mit Sturmmasken vermummt gewesen seien. “Es scheint, als ob sie bewusst eine Reaktion provozieren wollten”, sagte Pillays Sprecher.

Die heftigsten Kämpfe zwischen den ethnischen Gruppen seit 20 Jahren waren am Donnerstagabend ausgebrochen. Seitdem kamen mindestens 176 Menschen ums Leben. Allerdings sagte die Chefin der Übergangsregierung, Rosa Otunbajewa, die tatsächliche Zahl der Toten könnte um ein Vielfaches höher liegen. In Osch selbst blieb es am Dienstag nach Angaben eines Reuters-Reporters vorerst ruhig. Auch ein US-Regierungsvertreter sagte, die Lage in den Unruhegebieten habe sich beruhigt.

BUNDESREGIERUNG BRINGT KNAPP 90 AUSLÄNDER IN SICHERHEIT

Das Auswärtige Amt organisierte in der Nacht zu Dienstag die Evakuierung von 89 Europäern und anderen Ausländern aus Osch. Die deutsche Botschaft in Bischkek sei die einzige Vertretung eines EU-Staates vor Ort, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Zudem stelle Deutschland 500.000 Euro für humanitäre Hilfen zur Verfügung, um die Lage der zahlreichen Flüchtlinge zu verbessern. Westerwelle rief erneut alle Seiten zur Beendigung der Gewalt auf.

Am Montagabend hatte der UN-Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, Lynn Pascoe, die Einrichtung eines sicheren Korridors für Hilfslieferungen gefordert. “Die wichtigste Aufgabe ist jetzt, das Blutvergießen zu beenden”, erklärte nun Jenca am Dienstag. Es müsse eine Ausbreitung des Konflikts verhindert werden. Die kirgisische Übergangsregierung befürchtet ebenfalls ein Übergreifen der Gewalt auf Gebiete im Norden und die Hauptstadt Bischkek. Nach den Erfahrungen in Osch gehe er davon aus, dass es auch dort zu Provokationen kommen werde, sagte Vize-Ministerpräsident Almasbek Atambajew. Die Regierung sei aber gut darauf vorbereitet.

Die Übergangsregierung kann dabei aber offenbar nicht auf Truppen des Sicherheitsbündnisses OVKS hoffen. Dies teilte Interimspräsidentin Otunbajewa mit. Zu der Organisation gehören neben Kirgistan und Russland auch Usbekistan, Weißrussland, Armenien, Kasachstan und Tadschikistan. Diskutiert wurde, Militärhubschrauber und -fahrzeuge der OVKS in das Krisengebiet zu schicken. Trotz der Gewalt will die Übergangsregierung am 27. Juni an einer Volksabstimmung über die neue Verfassung festhalten.

Die Unruhen haben in Russland und den USA für Beunruhigung gesorgt. Beide Länder unterhalten Militärstützpunkte in dem Land. Seit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Kurmanbek Bakijew im April ist es der Übergangsregierung nicht gelungen, die volle Kontrolle über den Süden des Landes zu übernehmen. Die Regierung hat erklärt, Anhänger Bakijews stünden hinter den Gewalttaten. Bakijew, der sich in Weißrussland im Exil befindet, hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below