September 20, 2019 / 7:21 AM / a month ago

"Macht Euren Job" - Weltweite Klimastreiks setzen Politik unter Druck

- von Christian Rüttger und Hans Lee

People take part in the Global Climate Strike of the movement Fridays for Future, in Berlin, Germany, September 20, 2019. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin/Sydney (Reuters) - Brisbane, Bangkok und Berlin: Weltweit haben Hunderttausende Menschen mit Massenprotesten am Freitag einen besseren Klimaschutz eingefordert.

In Australien, Asien und Europa folgten vor allem Schüler und Studenten dem Aufruf der Organisation Fridays for Future. Doch auch Gewerkschaften, Verbände und Parteien schlossen sich an. Insgesamt waren in mehr als 150 Ländern Aktionen geplant. Allein in Berlin kamen Zehntausende zum Brandenburger Tor. Von dort zogen sie weiter durch das Regierungsviertel, wo die große Koalition nach einer nächtlichen Mammutsitzung Eckpunkte ihres Klimapakets festzurrte. Eine der größten Kundgebungen ist in New York angesetzt. Die für den Friedensnobelpreis nominierte 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die die Fridays-for-Future-Proteste initiierte, wird auf einer Demonstration vor dem Sitz der Vereinten Nationen erwartet. Dort startet kommende Woche ein UN-Klimagipfel mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In Berlin versammelten sich nach Angaben der Veranstalter bis zum frühen Nachmittag 80.000 Menschen rund um die Straße des 17. Juni und Unter den Linden. Eine Polizeisprecherin ging von “deutlich weniger aus”, aber durchaus “mehreren Zehntausend” Teilnehmern. Die überwiegend jungen Demonstranten, darunter auch Grundschüler, stimmten sich mit Gesängen sowie “we, we, we are the future”- und “nie, nie, nie wieder Kohle”-Sprechchören ein. Sie reckten unzählige bunte, selbst gestaltete Plakate in die Höhe, mit denen sie Klimagerechtigkeit und die Energiewende einklagten. “So geht es nicht weiter”, war auf einem Schild zu lesen, “Respekt für Mutter Erde” auf einem anderen. Mehrere Redner riefen von einer vor dem Brandenburger Tor aufgebauten Bühne dazu auf, mit dem Druck auf die Politik nicht nachzulassen.

Insgesamt waren nach Angaben von Fridays for Future Klimastreiks in 575 deutschen Städten geplant. In Freiburg schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer auf 20.000, in München auf etwa 25.000, die zum Königsplatz kamen.

Schon während in Deutschland gerade die Sonne aufging, sorgten in Australien bereits Zehntausende für erste Höhepunkte der globalen Protestaktion. Großdemonstrationen gab es unter anderem in den australischen Metropolen Sydney, Brisbane und Melbourne. Aber auch in der entlegenen Outback-Stadt Alice Springs prangerten Demonstranten steigende Meeresspiegel und die Erderwärmung an und forderten einen Wechsel von fossilen Brennstoffen wie Kohl und Öl auf umweltfreundlichere Energien.

In Sprechchören und in den sozialen Medien wurden Politiker gemahnt, endlich “ihren Job zu machen”. Die Demonstranten reckten Bilder von schmelzenden Eisbergen und Kraftwerken, aus denen dunkler Rauch quillt, in die Höhe. “Die Ozeane erheben sich - und wir auch”, war auf einem Schild zu lesen, dass ein Demonstrant in Schuluniform in Melbourne trug.

“WAS BRINGT DIE SCHULE, WENN ES KEINE ZUKUNFT GIBT?”

Neben zahlreichen Großkundgebungen gab es auch viele kleinere Protestaktionen. In Berlin sorgte bereits am Morgen ein Fahrradkorso für lange Staus im Stadtzentrum. Auf den Salomonen zogen Demonstranten zum Strand, um wie schon seit Jahren zu untermauern, wie besonders bedrohlich die Situation für viele Pazifikinseln ist, weil sie zu versinken drohen. Im indischen Kolkata verteilten Schüler auf einem Busbahnhof Flyer, auf denen “Rettet unseren Planeten, rettet unsere Welt” geschrieben stand. Im indonesischen Palangka Raya trotzten jugendliche Demonstranten dichtem Smog, der von Waldbränden verursacht wurde.

In Thailands Hauptstadt Bangkok stürmten mehr als 200 junge Leute in das Umweltministerium. Dort ließen sie sich zu Boden fallen und stellten sich tot. “Das passiert, wenn wir jetzt nichts gegen den Klimawandel unternehmen”, sagte eine der Organisatoren. Vorwürfe, sie würden nur die Schule schwänzen, ließen die Demonstranten nicht gelten. In der Schule lerne man, was man später für die Arbeit wissen müsse. “Aber wenn wir das hier nicht tun, dann wird es für uns keine Zukunft geben, in der wir arbeiten können”, sagte der elfjährige Peem Prasertsuntarasai.

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