Reuters logo
Nordkorea-Krise löst Atomwaffendebatte in Japan aus
6. September 2017 / 08:30 / vor 2 Monaten

Nordkorea-Krise löst Atomwaffendebatte in Japan aus

Tokio/Wladiwostok (Reuters) - Nach den jüngsten Raketen- und Atomtests Nordkoreas wird in Japan über die Stationierung von US-Atomwaffen debattiert.

REFILE - ADDITIONAL INFORMATION North Korean leader Kim Jong Un provides guidance with Ri Hong Sop (3rd L) and Hong Sung Mu (L) on a nuclear weapons program in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang September 3, 2017. KCNA via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Verteidigungsexperten warfen am Mittwoch die Frage auf, ob es nicht an der Zeit sei, das Verbot der Stationierung von Nuklearwaffen in dem Land zu überdenken, das bislang als einziges Atombombenangriffen ausgesetzt war. Unterdessen warnte Südkoreas Präsident Moon Jae In vor einer unkontrollierbaren Entwicklung der Nordkorea-Krise. Es sei nicht mehr absehbar, was passiere, wenn die Regierung in Pjöngjang ihre Provokationen nicht beende, sagte Moon am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin am Rande eines Wirtschaftsgipfels in Wladiwostok. Nordkorea hatte am Dienstag nach seinem bisher größten Atomtest den USA mit “weiteren Geschenkpaketen” gedroht. Putin rief erneut dazu auf, die Krise durch Gespräche zu überwinden. Sanktionen und Druck alleine reichten nicht aus.

Japan, das im Zweiten Weltkrieg als bislang einziges Land mit Atombomben angegriffen wurde, hatte sich danach verpflichtet, Atomwaffen weder zu besitzen, noch zu bauen oder deren Stationierung auf seinem Staatsgebiet zu erlauben. “Vielleicht ist es an der Zeit, aus den drei Prinzipien zwei zu machen”, sagte ein japanischer Verteidigungsexperte, der wegen der Brisanz des Themas in seinem Land anonym bleiben wollte. Wenn Japan die USA einladen würde, Atomwaffen zu stationieren, könnte es damit China als den einzigen verbündeten Nordkoreas dazu bringen, seinen Nachbarn in die Schranken zu weisen. Japan könnte etwa erlauben, dass die USA ein atomar bewaffnetes U-Boot von einem ihrer Stützpunkte in Japan aus operieren lassen. Das würde Druck auf China ausüben.

Takashi Kawakami von der Universität Takushoku sagte, allein mit der Debatte über die Atom-Prinzipien werde Japan die USA und China zum Handeln bewegen. “Das ist die Medizin, die China braucht, damit es gegen Nordkorea aktiv wird”, sagte der Verteidigungsexperte. Und der ehemalige Verteidigungsminister Shigeru Ishiba warf die Frage auf, ob Japan Schutz unter dem amerikanischen Atomschirm erwarten könne, wenn es seine Atom-Grundsätze beibehalte. “Ist es richtig, dass wir darüber nicht diskutieren?”, fragte er in einem Fernsehinterview.

CHINESISCHE LUFTWAFFE ÜBT ABWEHR VON ÜBERRASCHUNGSANGRIFF

Das chinesische Militär gab unterdessen ein Manöver nahe der koreanischen Halbinsel bekannt, bei dem die Abwehr eines von See her kommenden Überraschungsangriffs geübt worden sei. Dabei haben die Luftwaffe am Dienstag erstmals “bestimmte Waffen” zum Abschuss niedrig fliegender Ziele eingesetzt, hieß es am Mittwoch auf der offiziellen Militär-Internetseite www.81.cn ohne weitere Erläuterung.

MOON BERÄT MIT PUTIN ÜBER NORDKOREA-KRISE

Nach seinen Beratungen mit Putin sagte Moon auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, der russische Präsident habe Südkorea die volle Unterstützung bei den Bemühungen zur Beilegung der Krise zugesagt. Putin und er seien sich einig, dass die Lösung der Atomfrage in Nordkorea oberste Priorität für die Entwicklung in Ostasien habe. Der russische Präsident bezeichnete das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas als eklatanten Verstoß von UN-Resolutionen und eine Bedrohung für die Sicherheit Nordost-Asiens. Ohne politische und diplomatische Anstrengungen könne es keine Fortschritte geben. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete unter Berufung auf Außenminister Sergej Lawrow, dass es am Rande des Wirtschaftsgipfels in Wladiwostok ein Treffen der Delegationen Russlands und Nordkoreas geben könnte.

Während Südkorea, die USA und Deutschland für härtere Sanktionen plädieren, zweifeln Russland und China deren Sinn an.[nL8N1LM5MQ] Bislang haben die von den Vereinten Nationen (UN) verhängten Strafmaßnahmen Nordkorea nicht von seinem Kurs abgebracht. Diplomaten erklärten, der UN-Sicherheitsrat könnte als weitere Sanktionen ein Verbot von nordkoreanischen Textilexporten, Landeverbote für nordkoreanische Flugzeuge, Einreiseverbote für nordkoreanische Funktionäre, ein Entsendeverbot für nordkoreanische Arbeiter und die Unterbindung von Öllieferungen in Betracht ziehen.

Moon forderte Putin nach Angaben aus seiner Delegation auf mitzuarbeiten, um die Ölzufuhr Nordkoreas zu unterbinden. Putin habe allerdings erklärt, das würde nur die Bevölkerung treffen. Nach Angaben Putins liefert Russland nur rund 40.000 Tonnen Rohöl pro Jahr an Nordkorea. Chinas Lieferungen belaufen sich nach Angaben aus Industriekreisen auf rund 520.000 Tonnen.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte, China halte den Schlüssel zur Lösung der Krise in der Hand. Er verwies unter anderem auf die Öllieferungen. “China hat nicht nur Einfluss, sondern auch viele der Hebel, die nötig sind, um Nordkorea zu einem anderen Verhalten zu bringen”, sagte Fallon der BBC.

Unsere Werte:Die Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below