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Weltnachrichten

Hisbollah-Mitglied 15 Jahre nach Mord an Hariri schuldig gesprochen

A billboard depicting Lebanon's former Prime Minister Rafik al-Hariri, who was killed in a bombing in 2005, is pictured in Sidon, southern Lebanon, Lebanon August 18, 2020. REUTERS/Aziz Taher

Leidschendam (Niederlande) (Reuters) - Mehr als 15 Jahre nach dem Bombenanschlag auf den damaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Al-Hariri ist ein Mitglied der Hisbollah-Miliz wegen Verschwörung zum Mord für schuldig befunden worden.

Ein von den Vereinten Nationen (UN) unterstütztes Sondertribunal in den Niederlanden sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Mann eine zentrale Rolle bei der Tat gespielt habe. Kurz zuvor hatte das Gericht drei weitere mutmaßliche Mitglieder der schiitischen Miliz mangels Beweisen freigesprochen.

Der Mord an dem sunnitischen Milliardär Hariri, der über enge Kontakte zum Westen verfügte, hatte den Libanon 2005 in eine Krise gestürzt. Nach einem finanziellen Zusammenbruch des Landes sowie der Explosionskatastrophe in Beirut vor zwei Wochen könnte das Urteil die politischen Rivalitäten in dem Vielvölkerstaat noch verschärfen.

Der Verurteilte habe eines von sechs Handys besessen, die von den Attentätern benutzt worden seien, erklärte das Gericht in seiner 2600 Seiten starken Urteilsbegründung. DNA-Beweisen zufolge wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter verübt, dessen Identität nie festgestellt werden konnte. Mit Hariri starben 21 weitere Menschen. Der jahrelange Prozess, der rund eine Milliarde Dollar kostete, fand in Abwesenheit der Angeklagten statt. Das Strafmaß für den Verurteilten soll später verkündet werden.

Der Sohn des Ermordeten, Saad al-Hariri, erklärte, er werde nicht ruhen, bis eine Strafe verbüßt worden sei. Saad, der wie sein Vater auch Ministerpräsident des Libanon war, forderte die vom Iran unterstützte Hisbollah auf, nach der Verurteilung eines ihrer Mitglieder die Verantwortung für die Tat zu übernehmen.

Das Sondertribunal war zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine Beweise für eine Verwicklung der Hisbollah-Führung oder der syrischen Regierung gebe. Zwar hätten beide womöglich Motive gehabt. Aber für eine Beteiligung gebe es keine Belege. Der mit sunnitischen Golfstaaten gut vernetzte Rafik al-Hariri galt als Bedrohung für den Einfluss des Iran und Syriens im Libanon. Die Hisbollah hat eine Verwicklung in das Attentat stets bestritten.

Die Entscheidung des Sondertribunals sollte eigentlich am 7. August verkündet werden, war aber wegen der Explosion in Beirut drei Tage zuvor verschoben worden. Der ermordete Rafik al-Hariri hatte sich maßgeblich dafür eingesetzt, die Hauptstadt nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 wieder aufzubauen.

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