April 1, 2011 / 5:45 PM / 8 years ago

Libyen steuert auf militärisches Patt zu

Tripolis (Reuters) - Libyen bewegt sich auf ein militärisches Patt zwischen den Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi und den Rebellen zu.

Am Freitag bereiteten sich die Aufständischen auf den Kampf um Brega vor, nachdem sie die strategisch wichtige Stadt Sirte nicht einnehmen konnten und in den vergangenen zwei Tagen rund 200 Kilometer in den Ostteil des Landes bis Brega zurückgeworfen worden waren. Das Öl-Terminal wurde in den vergangenen Wochen mehrmals von beiden Seiten erobert und wieder verloren. Damit haben die Rebellen auch nach den Luftangriffen der westlicher Staaten auf Regierungstruppen keine dauerhafte Geländegewinne machen können. Umgekehrt haben es die Gaddafi-Truppen nicht geschafft, tiefer in die von den Rebellen gehaltenen östlichen Landesteile vorzustoßen.

Die Rebellen boten einen Waffenstillstand an, verlangten aber unter anderem, Gaddafi müsse zuerst das Land verlassen. Unklar war zunächst, ob die Aufständischen damit einen neuen Vorstoß zur Beendigung des Konflikts starteten oder lediglich alte Forderungen wiederholten.

Allerdings gab es Anzeichen dafür, dass die bislang wild zusammengewürfelten Rebellentruppen sich reorganisieren und damit möglicherweise ihre militärische Schlagkraft erhöhen. Die Rebellen erklärten, immer mehr ausgebildete Offiziere würden jetzt an die Front kommen. Zwischen Benghasi, der Hochburg der Rebellen, und der Küstenstadt Adschdabija wurden Geschütz-Stellungen ausgehoben. Damit werden zum ersten Mal organisierte Verteidigungslinien um die Rebellen-“Hauptstadt” angelegt.

In Tripolis kam es nach Augenzeugenberichten in der Nähe des schwer befestigten Wohnkomplexes von Gaddafi zu Schießereien. Rund 20 Minuten lang waren Maschinengewehr-Feuer und Schüsse zu hören. Zeugen berichteten, Scharfschützen seien in dem Bereich auf Dächern zu sehen gewesen, auf den Straßen gebe es Blutspuren. Die Ursache der Schüsse ließ sich zunächst nicht feststellen. Journalisten dürfen sich in Tripolis nicht frei bewegen.

Die Rebellen-Enklave Misrata im von Gaddafi beherrschten Westen des Landes stand offenbar kurz vor dem Fall. Nach Beschuss mit schwerer Artillerie und Raketen drangen Soldaten nach Rebellen-Berichten in die drittgrößte Stadt des Landes ein und plünderten Geschäfte und Privatwohnungen. Ein Mediziner in Misrata schilderte Reuters am Telefon, die 32. Brigade, die zu den schlagkräftigsten Einheiten Gaddafis zähle, führe die Angriffe. Die Lage in der Stadt kann nicht überprüft werden, da sie nicht von Journalisten betreten werden darf.

OFFENBAR KINDER BEI LUFTANGRIFF GETÖTET

Zivile Verluste forderten offenbar auch die Luftangriffe westlicher Staaten. Die BBC zitierte einen Arzt, demzufolge in einem Ort bei Brega sieben Menschen, vor allem Kinder, beim Angriff auf einen Konvoi der Regierungstruppen getötet wurden. Die Kampfflieger sollen das UN-Mandat zur Aufrechterhaltung der Flugverbotszone und zum Schutz der Zivilisten durchsetzen. Befürchtet wird, dass der Nato-geführte Einsatz vor allem in der arabischen Welt durch zivile Opfer an Rückhalt verlieren könnte.

Die Rebellen bekräftigten, vor einem Waffenstillstand und einer möglichen Verhandlungslösung müssten Gaddafi und seine Familie das Land verlassen. Auch müssten sich die Soldaten Gaddafis aus den Städten im Westen zurückziehen. Ein Sprecher Gaddafis sagte dagegen, es werde bis zum Ende gekämpft.

Westliche Staaten versuchten nach den Überläufen prominenter Mitglieder der Gaddafi-Regierung diese weiter zu schwächen. die britische Regierung rief Anhänger Gaddafis auf, dem Beispiel von Außenminister Mussa Kussa zu folgen und die Seiten zu wechseln. Offen blieb weiterhin, ob westliche Staaten bereit sind, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. US-Präsident Barack Obama hatte dies nicht ausgeschlossen.

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