May 1, 2011 / 1:16 PM / 8 years ago

Regierung: Gaddafis Sohn stirbt bei Nato-Luftangriff

EDITOR'S NOTE: PICTURE TAKEN ON GUIDED GOVERNMENT TOUR Damage which the Libyan government said was caused by a coalition air strike is seen at the house of Saif Al-Arab Gaddafi, son of Libyan leader Muammar Gaddafi, in Tripoli April 30, 2011.REUTERS/Louafi Larbi

Tripolis (Reuters) - Nach einem Luftangriff der Nato hat Unklarheit über den vermeintlichen Tod von Familienmitgliedern des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi geherrscht.

Sein jüngster Sohn Saif al-Arab sowie drei Enkelkinder Gaddafis seien bei den Anschlägen in der Hauptstadt Tripolis ums Leben gekommen, teilte Regierungssprecher Mussa Ibrahim am Sonntag mit. Die britische Regierung konnte diese Berichte nach eigenen Angaben jedoch nicht bestätigen. “Ich fürchte, wir wissen nicht, ob es stimmt oder nicht”, sagte Alistair Burt, Staatminister im britischen Außenamt. Die Nato wies die Vorwürfe der libyschen Regierung zurück, Gaddafi und seine Familie ins Visier genommen zu haben.

“Dies war ein direkter Anschlag, um den Führer dieses Landes zu ermorden”, warf der libysche Regierungssprecher Ibrahim der Nato vor. Gaddafi selbst und seine Frau seien jedoch unverletzt. Saif al-Arab ist einer der weniger bekannten Söhne Gaddafis. Laut Ibrahim studierte er in Deutschland. Nun müsse es jedem klar sein, dass das, was in Libyen passiert, nichts mehr mit dem Schutz von Zivilisten tun habe, fügte Ibrahim hinzu. Libysche Beamte brachten Journalisten zu einem eingestürzten Haus, in dem die Familienmitglieder bei dem Raketeneinschlag getötet worden sein sollen und dem sich auch Gaddafi selbst zu jedem Zeitpunkt aufgehalten haben soll.

NATO DEMENTIERT ANGRIFF AUF GADDAFI-FAMILIE

“Alle Nato-Angriffe sind militärischer Natur. Wir nehmen keine Einzelpersonen ins Visier”, teilte der Nato-Befehlshaber für den Libyen-Einsatz, der kanadische General Charles Bouchard, am Sonntag mit. Der Tod des Machthabers sei nicht das erklärte Ziel der Nato. Bei den Luftangriffen sei ein Kommandozentrum getroffen worden. Bouchard räumte jedoch ein, er sei sich der unbestätigten Medienberichte über den Tod einiger Familienmitglieder Gaddafis bewusst. “Wir bedauern jeden Verlust an Menschenleben”, sagte er.

Derweil zerstörte ein Nato-Luftangriff im Osten des Landes 45 Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen, wie ein Rebellen-Sprecher am Sonntag mitteilte. In den Städten Dschalu und Aulidscha, südlich der Frontlinie in der Nähe von Adschdabija, hätten die Regierungstruppen am frühen Samstagmorgen das Feuer eröffnet und dabei mindestens fünf Zivilisten getötet. Als sie Dschalu wieder verließen, sei der Konvoi von den Raketen getroffen worden.

KRITIK AUS RUSSLAND UND VENEZUELA

Sollten die Tode der Gaddafi-Familienmitglieder bestätigt werden, könnte sich der Druck auf die Nato erhöhen. Kritiker monieren, die Allianz überschreite das UN-Mandat und wolle Gaddafi töten. Nach den jüngsten Medienberichten regten sich kritische Stimmen aus Russland: “Mehr und mehr Informationen deuten darauf hin, das die anti-libysche Koalition die leibhaftige Vernichtung Gaddafis zum Ziel hat”, sagte der außenpolitische Sprecher des Unterhauses im russischen Parlament, Konstantin Kosachew. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez, ein langjähriger Verbündeter Gaddafis, nannte den jüngsten Angriff einen Mordversuch.

Der jüngste Luftangriff war der zweite innerhalb von 24 Stunden, der in Gaddafis Nähe einschlug. Bereits am Samstag trafen Nato-Kampfflugzeuge drei Ziele in der Nähe eines Fernsehsender-Gebäudes, während Gaddafi eine Fernsehansprache hielt. Darin bot er einen Waffenstillstand und Verhandlungen mit der Nato an, lehnte einen Rücktritt aber weiter ab. Die Rebellen und die Nato lehnten den Vorstoß umgehend als unzureichend ab.

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