November 17, 2013 / 2:37 PM / 5 years ago

Schwerste Gefechte in Tripolis seit Gaddafi-Sturz

Protesters march during a demonstration calling on militiamen to leave, in Tripoli November 15, 2013. REUTERS/Ismail Zitouny

Tripolis (Reuters) - Die libysche Hauptstadt Tripolis ist von den schwersten Straßengefechten seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi vor zwei Jahren erschüttert worden.

Mindestens 44 Menschen wurden getötet als Milizionäre aus der Küstenstadt Misrata auf Demonstranten schossen, die auf das Hauptquartier der Brigade in Tripolis marschierten. Am Samstag kam es zu erneuten Gefechten der Miliz mit rivalisierenden bewaffneten Gruppen, dabei wurde ein weiterer Mensch getötet. Die Stadtverwaltung rief die Bevölkerung zu Proteststreiks auf. Mit ihnen soll die Regierung dazu gebracht werden, die Milizen aus der Stadt zu vertreiben.

Hunderte Anwohner zogen am Freitag vor die Zentrale der Misrata-Milizionäre und verlangten von ihnen, die Hauptstadt zu verlassen. Die Kämpfer eröffneten daraufhin das Feuer auf die Menschenmenge, unter anderem mit einem Luftabwehr-Geschütz. Die Anwohner zogen sich zwar zunächst zurück, kamen aber bewaffnet wieder.

Die jüngsten Ausschreitungen - die dritten binnen zehn Tagen - werfen ein Schlaglicht auf die Schwäche der Zentralregierung. Gaddafi war mit Hilfe der Milizen gestürzt worden. Allerdings ist es der neuen Regierung von Ministerpräsident Ali Seidan bislang nicht gelungen, die verschiedenen bewaffneten Gruppen aufzulösen oder in die Sicherheitskräfte einzugliedern: Viele Kämpfer bleiben loyal zu ihren Kommandeuren. Auch zwischen den einzelnen Gruppen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Unter anderem kämpfen sie um die Kontrolle über das Erdöl des Landes. Im Oktober hatte eine Miliz Seidan selbst mehrere Stunden in ihre Gewalt gebracht. Sie übte damit Vergeltung für die Festnahme eines Top-Al-Kaida-Mitglieds. Am Sonntag wurde Sicherheitskreisen zufolge Vize-Geheimdienstchef Mustafa Noah entführt. Er sei nach der Rückkehr von einem Türkei-Besuch am Flughafen von Tripolis in ein Auto gezerrt und verschleppt worden, hieß es.

Der Chef des Gemeinderats von Tripolis, Saadat al-Badry, kündigte am Sonntag an, die Streiks sollten solange fortgesetzt werden, bis die Milizen aus der Stadt verschwunden seien. “Wir werden nicht mit ihnen verhandeln”, sagte er. Viele Geschäfte, Schulen und Universitäten blieben am Sonntag geschlossen. Der Tag ist normalerweise ein gewöhnlicher Werktag in Libyen. In einigen Stadtbezirken errichteten Bewohner Straßensperren aus Metall, Holz und Autoreifen, um ihre Straßen gegen die Milizen zu schützen.

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