April 8, 2019 / 12:49 PM / 3 months ago

Kampf um Tripolis verschärft sich - Sorge um Zivilisten

Libyan National Army (LNA) members, commanded by Khalifa Haftar, head out of Benghazi to reinforce the troops advancing to Tripoli, in Benghazi, Libya April 7, 2019. REUTERS/Esam Omran Al-Fetori

Tripolis/Genf/Brüssel (Reuters) - In Libyen spitzt sich der Kampf um die Hauptstadt Tripolis weiter zu.

Nach dem zügigen Vormarsch der Truppen des Rebellen-Kommandeurs Chalifa Haftar durch die Wüstengebiete, versuchten die Kämpfer am Montag weiter ins Zentrum der Stadt vorzudringen. Angehörige von Haftars Libyscher Nationalarmee (LNA) flogen Luftangriffe auf südliche Stadtgebiete. Zugleich zogen aus der nahegelegenen Küstenstadt Misrata bewaffnete Gruppen ab, um die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajes al-Serradsch gegen die Offensive zu unterstützen. Die Kämpfe haben den Vereinten Nationen zufolge bereits 2800 Menschen vertrieben, weitere seien in dem Gebiet eingeschlossen. Angesichts der Eskalation des seit Jahren schwelenden Machtkampfs wird international ein Waffenstillstand gefordert.

Der Regierung zufolge sind in den vergangenen Tagen bei den Kämpfen 25 Menschen getötet und 80 weitere verletzt worden. Anhänger der Regierung kündigten zur Verteidigung der Hauptstadt eine als “Vulkan des Zorns” bezeichnete Gegenoffensive an. Verbündete Kämpfer zogen mit Maschinengewehren ausgerüstete Kleinlastwagen aus Misrata in die Hauptstadt ab.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage in Libyen riefen sowohl die EU als auch die USA die verfeindeten Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand auf. Jede weitere militärische Aktion müsse vermieden und Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini vor einem europäischen Außenministertreffen in Luxemburg am Montag. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn betonte, “wir müssen alles versuchen, den Militäreinsatz zu stoppen, damit es keinen Bürgerkrieg in Libyen gibt”.

Eine Sprecherin von Bundesaußenminister Heiko Maas sagte in Berlin, das Thema werde beim EU-Außenministerrat besprochen. Ziel sei es, einen Waffenstillstand zu erreichen und einen politischen Prozess in Gang zu bringen. In französischen Diplomaten-Kreisen hieß es, auch Frankreich, das enge Beziehungen zu Haftar unterhält, sei nicht vorab vor der Offensive der Rebellen gewarnt worden. Frankreich habe keinen “geheimen Plan”, betonte der Diplomat.

Die UN wiederholten am Montag ihren Aufruf zu einer Waffenruhe, um Zivilisten und Verletzte aus den Konfliktgebieten evakuieren zu können. Die geforderte zweistündige Kampfpause am Sonntag war von den Parteien offenbar nicht beachtet worden. Die Vereinten Nationen versicherten nach einem Treffen von UN-Sondervermittler Ghassan Salame mit Ministerpräsident Serradsch, ihre Arbeit in Tripolis weiter fortsetzen zu wollen.

Trotz der Gefechte pochen die Vereinten Nationen auf die seit langem geplante nationale Konferenz vom 14. bis 16. April. Auf dem Treffen soll ein Plan vereinbart werden, der Wahlen in dem seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 zerrissenen nordafrikanischen Land vorbereiten soll. Das ölreiche Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die Europa erreichen wollen.

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