April 10, 2011 / 9:33 AM / in 8 years

Gaddafi-Truppen in strategischer Stadt auf dem Vormarsch

BITTE BEACHTEN: Dieses Bild wurde während einer von der libyischen Regierung organisierten Führung gemacht. Panzer der libyschen Armee in Misrata am 9. April 2011. REUTERS/Zohra Bensemra

Adschdabija (Reuters) - Im Kampf um Libyens strategisch wichtige Stadt Adschdabija haben die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi am Wochenende immer mehr die Oberhand gewonnen.

Sie drangen am Sonntag in den Ort vor, der den Rebellen zuletzt als Stützpunkt im Kampf um den Ölhafen Brega gedient hatte. Es handelte sich um den schwersten Angriff der Gaddafi-Kräfte auf die Stadt im Osten des Landes seit mindestens einer Woche. Die Aufständischen schienen dort die Kontrolle zu verlieren. Der Fernsehsender Al-Dschasira berichtete schon am Samstag, Gaddafi-Truppen hätten Adschdabija bereits eingenommen. Mehrere Rebellen wurden getötet. Eine Delegation der Afrikanischen Union (AU) wollte am Sonntag in Libyen Friedensgespräche der verfeindeten Lager vermitteln.

Ein Fall Adschdabijas wäre für die Rebellen ein schwerer Verlust. Am Sonntag gingen dort Aufständische in Deckung vor anhaltendem Artilleriebeschuss der Gaddafi-Truppen. Rebellen zufolge wurden vier ihrer eigenen Kämpfer getötet. Am Samstag seien ebenfalls vier Rebellen sowie acht Gaddafi-Soldaten ums Leben gekommen. Über die Zahl der Opfer in Misrata, der isolierten Rebellenhochburg im Westen Libyens, gab es unterschiedliche Informationen. Ein Aufständischer sagte, 30 Kämpfer seien getötet worden, ein anderer sprach von zehn bis 18 Toten. In Misrata legte am Samstag ein Schiff des Roten Kreuzes mit Hilfsgütern an. Darauf befanden sich vor allem medizinische Ausrüstung und Medikamente. Das Rote Kreuz hatte mehrere Tage mit der Regierung über einen Zugang nach Misrata verhandelt.

AU-FRIEDENSINITIATIVE IN TRIPOLIS UND BENGHASI

Die Delegation der AU unter Leitung des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma wollte am Sonntag zunächst mit Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis sprechen und dann den Kontakt zu Rebellenführern in Benghasi suchen. Doch ein Rebellensprecher erteilte einer Verhandlungslösung umgehend eine Absage. Es könne nur eine militärische Lösung geben, weil Gaddafi nur diese Sprache verstehe, sagte Ahmad Bani dem TV-Sender Al-Dschasira.

Die Verantwortlichen der westlichen Koalition setzen wegen der Patt-Situation zwischen Regierung und Rebellen verstärkt auf eine politische Lösung des Bürgerkriegs in Libyen. Experten sagen bereits vorher, dass Libyen am Ende in zwei Teile zerfällt - in von Gaddafi-Truppen und Rebellen kontrollierte Gebiete.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen dringt ebenfalls auf eine politische Lösung. “Für diesen Konflikt gibt es keine militärische Lösung”, sagte Rasmussen dem “Spiegel” laut einem Vorabbericht vom Samstag. Zugleich hielt er an seiner Kritik an Deutschland fest. Rasmussen hatte im Nato-Rat gesagt, es sei absurd, dass Deutschland der Nato seine militärischen Kapazitäten vorenthalte. Die Nato erhöhte am Wochenende ihre Schlagkraft in Libyen und zerstörte nach eigenen Angaben 17 Panzer der Gaddafi-Truppen.

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