September 1, 2011 / 1:39 PM / 9 years ago

Westen will zuerst humanitäre Lage in Libyen verbessern

Paris (Reuters) - Die Staaten des Westens wollen nach dem militärischen Sieg des Übergangsrates in Libyen ihre Wiederaufbauhilfen zunächst auf die Notversorgung der Bevölkerung konzentrieren.

“Als erstes muss die sehr schwierige humanitäre Lage verbessert werden”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Beginn der Pariser Libyen-Konferenz am Donnerstag. Im Mittelpunkt des Treffens von Vertretern aus 60 Staaten und internationalen Organisationen steht eine Rede des Vorsitzenden des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil. Dieser will den Fahrplan zur Demokratie in 18 Monaten skizzieren und erklären, welche Hilfen sein Land braucht. Währenddessen geht die Suche nach dem gestürzten Machthaber Muammar Gaddafi weiter, den die siegreichen Aufständischen in einer Wüstenstadt vermuten.

“Die Krankenhäuser brauchen Medikamente, die Menschen Wasser und Lebensmittel”, sagte Merkel der “Berliner Morgenpost”. Für den Wiederaufbau des unterentwickelten Landes bot die Regierungschefin Unterstützung beim Aufbau der Demokratie und der Infrastruktur an. Finanzielle Hilfen sind aus ihrer Sicht nicht nötig: “Libyen hat ja wegen seines Erdölreichtums kein Geldproblem.” In mehreren westlichen Staaten sind libysche Gelder im Umfang eines zweistelligen Milliarden-Euro-Betrages eingefroren, die für den Wiederaufbau freigegeben werden sollen.

In Paris will der Westen schnelle Hilfen organisieren, um damit eine Wiederholung der im Irak gemachten Fehler zu vermeiden. Nach der Niederwerfung des irakischen Machthabers Saddam Hussein hatten die Westmächte kein schlüssiges Wiederaufbau-Konzept. Die Folge war eine Welle der Gewalt, es kam zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. “Wir müssen dem Nationalen Übergangsrat helfen, weil das Land verwüstet ist”, sagte der französische Außenminister Alain Juppe und spiegelte damit die Sorge wider, die Freude über den Sieg der Gaddafi-Gegner könne angesichts der schwierigen sozialen Lage umschlagen.

In Paris werden voraussichtlich auch die Weichen für die umfangreichen Investitionen gestellt, die in Libyen nötig sind. Der Übergangsrat hat bereits angekündigt, dass bei der Verteilung der Aufträge jene bevorzugt würden, die an führender Stelle beim Kampf gegen Gaddafi geholfen hätten. Damit dürften deutsche Unternehmen einen schweren Stand haben, da sich Deutschland bei der UN-Entscheidung über militärische Einsätze gegen die Truppen des gestürzten Machthabers enthalten hatte und auch nicht an den Luftwaffeneinsätzen der Nato über Libyen teilnahm.

Als abgeschlossen gilt der Sieg des Übergangsrates, wenn Gaddafi aufgespürt wird. Dann dürfte auch der letzte Widerstand in Gaddafis Geburtsstadt Sirte und in einigen Wüstenorten zusammenbrechen. Nach Informationen des Rates soll sich Gaddafi in Bani Walid aufhalten. Der Ort liegt rund 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt. Gaddafi habe sich drei Tage nach dem Fall von Tripolis vergangene Woche dorthin begeben, hieß es.

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