September 29, 2011 / 2:53 PM / 8 years ago

Libysche Übergangsregierung erobert Flughafen von Sirte

Sirte (Reuters) - Die Truppen der libyschen Übergangsregierung haben den Flughafen der Gaddafi-Hochburg Sirte erobert.

Das meldete am Donnerstag ein Reuters-Reporter aus dem Geburtsort des gestürzten Machthabers Muammar Gaddafi. Seit einer Woche versuchten die Kämpfer der neuen Regierung Sirte einzunehmen, waren zunächst aber mit zwei Großangriffen gescheitert. Scharschützen und Artilleristen des gestürzten Machthabers hielten sie auf Abstand. Am Dienstag meldeten die Truppen dann erste Erfolge und nahmen den Ostteil der Stadt ein. Sirte gilt neben Bani Walid als letzte verbliebene Hochburg der Anhänger Gaddafis.

Um die verwundeten Soldaten aus Sirte zu evakuieren, fehlt es der Übergangsregierung an Treibstoff für Rettungsfahrzeuge. Nach Angaben eines UN-Vertreters haben die Truppen deswegen am Donnerstag die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Die Staatengemeinschaft habe Lastwagen mit Trinkwasser für die Flüchtlinge aus Sirte losgeschickt, die sich täglich zu Tausenden entweder in Richtung Benghasi oder Misrata aufmachten. Die anhaltenden Kämpfe um Sirte und Bani Walid machten es derzeit noch unmöglich, Hilfskräfte in die Städte zu entsenden, erklärte der Vertreter weiter. “Wir würden die beiden Städte gern erreichen, aber bislang konnte niemand dorthin gelangen”, sagte er.

In Lyon stellte die internationale Polizeiorganisation Interpol im Namen Libyens einen Eilantrag auf Auslieferung des zweiten Gaddafi-Sohnes, Saadi Gaddafi. Er war vor drei Wochen nach Niger geflohen. Der Nationale Übergangsrat beschuldigt den Sohn des ehemaligen Machthabers, für Militärschläge gegen die Proteste verantwortlich zu sein. Interpol hat bereits sogenannte “red notices”, vergleichbar mit internationalen Haftbefehlen, gegen Muammar Gaddafi, seinen Sohn Saif Al-Islam und den ehemaligen Geheimdienstchef Abdulla Al-Senussi verhängt. Deren Verbleib ist immer noch unklar.

Gaddafis früherer Ministerpräsident Al-Baghdadi Ali Al-Mahmudi bleibt derweil in Tunesien in Haft. Die tunesischen Behörden entsprachen damit einer Forderung des Übergangsrats, den Politiker auszuliefern. Der Generalstaatsanwalt habe entschieden, den den Mann in Haft zu lassen, nachdem die Libyer seine Auslieferung beantragt hätten, erklärte sein Anwalt. Zuvor war er zu sechs Monaten Haft wegen illegaler Einreise verurteilt worden, dann aber von einem Berufungsgericht freigesprochen worden. Mahmudi trat seinem Anwalt zufolge nach der tunesischen Entscheidung in einen Hungerstreik.

Am Abend wurde Außenminister Guido Westerwelle beim deutsch-libyschen Wirtschaftstreffen des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft in Berlin erwartet. Er wolle deutsche Unternehmen ermutigen, sich in Libyen zu engagieren, erklärte das Auswärtige Amt. “Jetzt gilt es, auch den Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen in Libyen zu ermöglichen”, sagte Westerwelle vor der Veranstaltung. Er sehe Chancen für deutsche Unternehmen vor allem in Branchen wie Energie, Verkehr, Infrastruktur und Maschinenbau.

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