September 12, 2012 / 11:09 AM / 7 years ago

Libyen - US-Botschafter durch Raketenangriff getötet

Bengasi (Reuters) - In der libyschen Stadt Bengasi sind nach Regierungsangaben bei gewaltsamen Protesten der US-Botschafter und drei weitere Botschaftsangehörige getötet worden.

A protester reacts as the U.S. Consulate in Benghazi is seen in flames during a protest by an armed group said to have been protesting a film being produced in the United States September 11, 2012. REUTERS/Esam Al-Fetori (LIBYA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Ein libyscher Regierungsvertreter sagte am Mittwoch, die vier seien am Dienstagabend im Auto des Botschafters mit Raketen beschossen worden, nachdem sie aus dem bereits zuvor angegriffenen US-Konsulat geflohen seien. Auslöser der Attacken waren nach libyschen Angaben vorausgegangene Tumulte vor der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Demonstranten zeigten sich erbost über einen US-Film, der nach ihrer Ansicht den Propheten Mohammed beleidigt. Vize-Innenminister Wanis al-Scharif machte Anhänger des im vergangenen Jahr getöteten Machthabers Muammar Gaddafi für den Angriff verantwortlich.

Der stellvertretende libysche Ministerpräsident Mustafa Abu Schagur verurteilte das Attentat auf Botschafter Christopher Stevens in einer Twitter-Nachricht als “feige Tat”. Eine Stellungnahme des US-Außenministeriums war zunächst nicht zu bekommen. Ein Angehöriger der US-Botschaft in der libyschen Hauptstadt Tripolis wollte die Opferzahl zunächst nicht bestätigen. “Wir haben dazu keine Informationen”, sagte er. Er könne nur den Tod einer Person bestätigen. Zuvor hatte bereits US-Außenministerin Hillary Clinton mitgeteilt, dass bei den Angriffen auf das Konsulat ein Diplomat gestorben sei. Sie verurteilte das Attentat.

Nach Auskunft der libyschen Behörden eröffneten Unbekannte mit Gewehren das Feuer auf das US-Konsulat, woraufhin sich die libyschen Sicherheitskräfte zurückgezogen hätten. Andere Angreifer warfen selbstgebastelte Sprengsätze auf das Gelände, wo kleinere Feuer brannten. Plünderer trugen auf dem verlassenen Gelände des US-Konsulats Tische, Stühle und Waschmaschinen fort.

Der libysche Regierungsvertreter sagte, der Botschafter und die anderen drei Botschaftsangehörigen seien auf dem Weg zu einem sicheren Ort gewesen, als sie angegriffen wurden. Die US-Botschaft habe ein Militärflugzeug damit beauftragt, die Leichen nach Tripolis zu bringen, um sie von dort in die USA zu fliegen. Nach Angaben der libyschen Behörden besteht ein Zusammenhang zwischen den Protesten in Kairo und Bengasi. Dagegen sagte ein US-Regierungsvertreter in Washington, er habe keinen Grund anzunehmen, dass es zwischen beiden Vorfällen eine Verbindung gebe.

AUFGEBRACHTE MENGE VERBRENNT US-BOTSCHAFTSFLAGGE IN KAIRO

In Kairo hatten sich 2000 Demonstranten versammelt. Manche kletterten die Mauern der US-Botschaft hoch. Sie brachten die US-Flagge an sich, zerrissen diese und verbrannten sie. “Dieser Film muss sofort verboten werden, und es sollte eine Entschuldigung folgen”, sagte ein 19-Jähriger.

Im Zentrum der Vorwürfe steht der christliche Prediger Terry Jones, der im Jahr 2010 Proteste in Afghanistan ausgelöst hatte mit der Drohung, den Koran zu verbrennen. Jones erklärte, anlässlich des 11. Jahrestags der Anschläge des 11. September 2001 ein Video veröffentlicht zu haben. Darin werde Werbung für einen Film gemacht, der den Propheten in “satirischer” Weise porträtiere. US-Medienberichten zufolge trägt der Film den Titel “Die Unschuld der Muslime”. Er werde von Jones beworben und sei von einem israelisch-amerikanischen Immobilienentwickler produziert worden. Viele Muslime empfinden jedwede Darstellung Mohammeds als beleidigend.

In der Mitteilung Clintons hieß es dazu in Reaktion auf die Vorkommnisse in Kairo: “Die USA verurteilen jede gezielte Bemühung, andere religiöse Glaubensrichtungen zu verunglimpfen. Aber um es ganz deutlich zu machen: Das ist niemals eine Rechtfertigung für gewaltsame Akte dieser Art.” Der republikanische Herausforderer von Präsident Barack Obama, Mitt Romney, äußerte sich erzürnt über die Angriffe in Bengasi und Kairo und erklärte: “Es ist schändlich, dass die erste Reaktion der Obama-Regierung keine Verurteilung der Angriffe auf unsere diplomatischen Vertretungen war, sondern ein Ausdruck der Sympathie mit denen, die für die Angriffe verantwortlich sind.” Die Angriffe könnten in der heißen Wahlkampf-Phase in den USA für eine überraschende Wende sorgen und das Augenmerk weg vom beherrschenden Thema Wirtschaft und stärker auf die Außenpolitik lenken.

Nach der Revolte gegen Gaddafi hat die libysche Übergangsregierung große Schwierigkeiten, die Ordnung im Land herzustellen. Zahllose bewaffnete Gruppen weigern sich, ihre Waffen niederzulegen, und nehmen das Gesetz häufig selbst in die Hand. In Ägypten bemühen sich die USA um intensivere Kontakte mit der neuen Regierung von Präsident Mohammed Mursi.

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