March 4, 2011 / 4:05 PM / 8 years ago

Straßenschlachten bei Anti-Gaddafi-Demo in Tripolis

Tripolis (Reuters) - Mehrere hundert Menschen haben am Freitag in der libyschen Hauptstadt Tripolis gegen Machthaber Muammar Gaddafi demonstriert und sich Auseinandersetzungen mit regierungstreuen Sicherkräften geliefert.

Mustafa Abdel Jalil (C), head of the rebel National Libyan Council based in the eastern rebel-held city of Benghazi, walks out in Beyda March 4, 2011. REUTERS/Asmaa Waguih (LIBYA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Die Menge rief, “Gaddafi ist ein Feind Gottes”, berichtete ein Zeuge. Nach Angaben eines Reuters-Reporters waren Schüsse zu hören, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die Demonstranten im Machtzentrum Gaddafis ein. Über 600 Kilometer östlich von Tripolis rückten die Rebellen weiter entlang der Küste nach Westen vor. Eine Verhandlungslösung des Konflikts zeichnete sich nicht ab. Ausländische Mächte versuchten den Tausenden aus Libyen nach Tunesien geflohenen Gastarbeitern zu helfen.

In Tripolis strömten die Gaddafi-Gegner nach den traditionellen Freitagsgebeten aus den Moscheen auf die Straßen und forderten ein Ende der seit 41 Jahren andauernden Herrschaft Gaddafis. “Dies ist das Ende von Gaddafi, es ist vorbei”, sagte der Ingenieur Faragha Salim, der sich an den Protesten beteiligte. Die Sicherheitskräfte trieben die Menge auseinander. Ein anderer Zeuge berichtete, bei den Protesten im Osten von Tripolis seien auch viele Schüsse zu hören gewesen. Zuvor habe er beobachtet, wie 14 Geländewagen mit grün uniformierten Männern zum Kundgebungsort gerast seien. Ausländische Journalisten wurden von Sicherheitskräften gehindert, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

An der Küste bewegten sich die Aufständischen auf den Ölhafen Ras Lanuf rund 600 Kilometer östlich von Tripolis zu. Ausgangspunkt war die Hafenstadt Brega 800 Kilometer östlich von Tripolis, wo die Rebellen Gaddafi-treue Truppen in den vergangenen Tagen zurückschlagen konnten. Eine zusammenhängende Front zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen gibt es nicht. Kämpfe wurden auch aus dem Ort Sawija nur 50 Kilometer westlich von Tripolis gemeldet, wobei nach Medienberichten zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Rebellen berichteten, sie hätten Gaddafi-Truppen vor der Stadt eingekreist.

REBELLEN FORDERN FLUGVERBOTSZONE

Die Rebellen appellierten erneut an ausländische Militärmächte, eine Flugverbotszone über Libyen durchzusetzen. In den vergangenen Tagen hatte die Luftwaffe Angriffe auf Rebellen geflogen und dabei nach Angaben der Aufständischen im Ort Adschdabidscha nur knapp ein Munitionsdepot verfehlt. Die USA, die entscheidend für den Aufbau einer Flugverbotszone sind, haben bislang jedoch sehr zurückhaltend reagiert.

“Sieg oder Tod. Wir werden nicht aufhören, bis wir dieses Land befreit haben”, sagte der Chef des Libyschen Nationalrates der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil. Sein Berater Ahmed Dschabril erklärte, verhandelt werde nur darüber, wie Gaddafi das Land verlassen oder wie er seine Regierungsämter aufgeben könne. Ein Vorschlag für Verhandlungen des Präsidenten von Venezuela, Victor Chavez, fand auf beiden Seiten wenig Beachtung. Libyen brauche keine Hilfe von außerhalb um seine Probleme zu lösen, sagte Gaddafis Sohn Saif al-Islam.

Im Ausland wachsen allerdings Befürchtungen, dass in den Rebellengebieten eine Nahrungsmittel- und Medikamentenknappheit droht. Rebellen aus Sawija berichteten, die Vorräte an Arzneien und Babymilch neige sich dem Ende zu.

In Tunesien startete eine internationale Rückholaktion für Tausende aus Libyen geflohene Gastarbeiter. Die internationale Gemeinschaft bemüht sich, eine humanitäre Katastrophe in den provisorischen Zeltlagern nahe der Grenze zu verhindern. Auch die deutsche Marine ist an den Aktionen beteiligt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, mit dem Einsatzverband aus drei Schiffen könnten mehrere Hundert Flüchtlinge transportiert werden. Derzeit hielten sich noch 50 Deutsche in Libyen auf, davon 40 in Tripolis. Die meisten von ihnen wollten das Land aber nicht verlassen.

Spuren haben die Kämpfe auch auf den Finanzmärkten hinterlassen. Vor allem die Öl- und Goldpreise zogen nochmals an. Der anhaltende Machtkampf könnte den Ölpreis nach Einschätzung von Analysten zumindest kurzfristig weiter nach oben treiben. Größte Sorge der Anleger ist ein Übergreifen der Unruhen auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien.

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