June 17, 2011 / 3:50 PM / 8 years ago

Schwere Gefechte im Westen Libyens

Dafnijah (Reuters) - In Libyen haben sich Aufständische und Regierungstruppen am Freitag bei Slitan im Westen schwere Gefechte geliefert.

Rebel fighters stand by as they fire a Grad rocket at the frontline west of the rebel-held city of Misrata June 17, 2011. REUTERS/Zohra Bensemra

Aufständische hätten Raketen mit einer Reichweite von etwa 20 Kilometern abgefeuert, berichteten Reuters-Reporter aus Dafnijah, das auf halber Strecke zwischen Slitan und der Rebellenhochburg Misrata an der Küste liegt. Die Rebellen erklärten, sie hätten auf Panzer und Munitionsdepots in Naimah bei Slitan gezielt. Die Regierungstruppen nahmen ihrerseits die Rebellen unter schweren Beschuss. Slitan liegt nur 160 Kilometer östlich von Tripolis. Eine Einnahme Slitans wäre für die Rebellen ein wichtiger Etappensieg in ihrem seit vier Monaten währenden Aufstand.

Unbeeindruckt von einem Vorschlag von Machthaber Muammar Gaddafi, Wahlen abzuhalten, rückten die Aufständischen weiter in das von regierungstreuen Truppen gehaltene Gebiet östlich von Tripolis vor. Auch das französische Militär, das an den Nato-Luftangriffen in Libyen maßgeblich beteiligt ist, vermutet, dass die Rebellen dabei sind, auf Tripolis vorzurücken. “Es scheint, als würden sie die Oberhand über Gaddafis Truppen gewinnen”, sagte ein Militärsprecher. Neben ihrem Vormarsch im Westen, versuchten sie, einen Ring um Tripolis zu legen.

MEHRERE EXPLOSIONEN IN TRIPOLIS

Die Rebellen kämpfen an zwei weiteren Fronten gegen Gaddafis Truppen: Im Osten des Landes rings um die Öl-Stadt Brega und in den Westlichen Bergen bei Tripolis. In den vergangenen Wochen haben sie in den Bergen und bei Misrata an der Küste langsam Boden gutgemacht. Damit rückt die Front vom Osten und Südwesten her näher an die an der Küste gelegene Hauptstadt heran.

Dort waren am Freitag mehrere Explosionen zu hören. Ein Reuters-Reporter berichtete von mindestens sechs Detonationen, die im Süden der Hauptstadt zu hören gewesen seien. Rauchwolken seien aufgestiegen. Zuvor hatte die Nato einem Bericht des staatlichen libyschen Fernsehens zufolge Ziele im Stadtteil Ain Sara angegriffen. Auf dem zentralen Grünen Platz in Tripolis versammelten sich mehrere hundert Menschen, um Gaddafi ihre Unterstützung zu demonstrieren.

Die Angriffe auf die Gaddafi-Truppen, die die Nato seit fast 13 Wochen fliegt, nutzen den Rebellen - auch wenn sie dabei mehrfach versehentlich selbst getroffen wurden. Die Nato erklärte in Brüssel, sie überprüfe, ob bei einem ihrer Angriffe nahe Adschdabijah bei Benghasi 16 Aufständische verletzt wurden.

NATO: ÜBER NACHT WIRD AUS EINEM DIKTATOR KEIN DEMOKRAT

Die Nato kündigte an, sie werde ihren Einsatz fortsetzen, bis die Gaddafi-Truppen keine Gefahr mehr für die Zivilbevölkerung darstellten. Den von Gaddafis Sohn Saif al-Islam vorgebrachten Vorschlag, spätestens bis Ende des Jahres unter internationaler Aufsicht Wahlen abzuhalten, bezeichnete eine Nato-Sprecherin als “zynischen PR-Gag”. Das Militärbündnis und die internationale Gemeinschaft wollten Taten sehen, sagte sie. “Es ist schwer vorstellbar, dass nach 41 Jahren, in denen Gaddafi Wahlen, Verfassung, Parteien und Gewerkschaften abgeschafft hat, über Nacht aus einem Diktator ein Demokrat wird.” Auch die Rebellen und die USA haben den Vorstoß zurückgewiesen.

Zugleich bemüht sich die libysche Führung um Gespräche mit den Rebellen. Sie steht nach russischen Angaben in mehreren europäischen Ländern in Kontakt mit den Aufständischen. Vertreter beider Seiten hätten eine Art Gesprächskanal gefunden, sagte Russlands Sondergesandter für Afrika, Michail Margelow. Er hatte sich am Donnerstag mit Libyens Ministerpräsident Al-Baghdadi Ali Al-Mahmudi in Tripolis getroffen. Margelow sagte, Al-Mahmudi habe ihn gebeten mitzuteilen, dass es Kontakte zwischen seiner Regierung und Vertretern des Nationalen Übergangsrats unter anderem in Deutschland, Frankreich und Norwegen gebe.

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