July 16, 2010 / 2:55 PM / 8 years ago

BP schließt erstmals Ölleck im Golf von Mexiko

Houston (Reuters) - Erstmals seit drei Monaten strömt aus dem Leck geschlagenen Bohrloch im Golf von Mexiko kein Öl mehr.

Damit verbuchte der britische Energiekonzern BP einen Teil-Erfolg im Kampf gegen die Ölpest. Ein entscheidender Test zeigt nach Angaben des Unternehmens vom Freitag, dass die neue Abdeckung des Bohrlochs in rund 1,6 Kilometer Meerestiefe dem Druck des Öls standhält. Hinweise auf Schäden gebe es nicht, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells. Die Aktien des wegen der Umweltkatastrophe in Bedrängnis geratenen Ölmultis reagierten mit Kursgewinnen auf die Nachricht.

“Das ist großartig, aber wir sind noch weit von der Zielgeraden entfernt”, sagte BP-Manager Doug Suttles, kurz nachdem das Leck geschlossen worden war. Auch US-Präsident Barack Obama, dessen Umfragewerte infolge der Öl-Katastrophe abgerutscht waren, sprach von einem positiven Zeichen. Er warnte aber vor zuviel Optimismus: Die Testphase sei noch nicht abgeschlossen.

Zu Wochenbeginn war erneut eine Abdichtkappe über das Ölleck gestülpt worden. Nachdem alle Ventile und Öffnungen am Donnerstag geschlossen worden waren, versiegte der Ölfluss. Es handelte sich zunächst um einen Test, um herauszufinden, ob das Bohrloch generell noch intakt ist, was eine endgültige Abdichtung durch die laufenden Entlastungsbohrungen erleichtern würde. Die erste der beiden Bohrungen soll bis Mitte August abgeschlossen sein. Sie gelten als einzig dauerhafte Methode, den Ölaustritt zu stoppen.

Die laufenden Tests seien damit vergleichbar, dass jemand seinen Daumen auf das Ende eines Gartenschlauchs lege, sagte ein pensionierter hochrangiger Vertreter der US-Küstenwache. Wenn sich der Druck nicht erhöhe, gebe es anderswo noch eine Öffnung. Die Testphase sollte bis zu 48 Stunden anhalten. Danach werde BP vermutlich das Öl wieder ausströmen lassen, um täglich bis zu rund 80.000 Barrel auf Schiffe zu pumpen. Bislang fließen am Tag zwischen 35.000 und 60.000 Barrel in den Golf.

ANALYSTEN: BP KÖNNTE BIS ZU 100 MILLIARDEN DOLLAR ZAHLEN

Der Untergang der von BP betriebenen Bohrinsel “Deepwater Horizon” am 20. April hat die größte Umweltkatastrophe in der US-Geschichte ausgelöst. Die Ölpest bedroht Flora und Fauna sowie wichtige Wirtschaftszweige wie Tourismus und Fischerei entlang der amerikanischen Golfküste. Auch das Schicksal von BP steht auf dem Spiel. Der Konzern hat wegen der Kosten für die Beseitigung der Schäden etwa die Hälfte seines Börsenwerts verloren.

Drei von Reuters Insider TV befragte Analysten äußerten die Erwartung, dass BP in den nächsten 15 Jahren 63 bis 100 Milliarden Dollar für die Beseitigung der Schäden, Geldstrafen und Anwälte aufwenden muss. “Überall ist Erleichterung zu spüren, dass die (Unterwasser-) Kamera kein auslaufendes Öl mehr zeigt. Aber alle wissen, dass sie noch nicht aus dem Schneider sind”, sagte Peter Hutton von NCB Securities in London, der auf BP Kosten von 40 Milliarden Euro zukommen sieht.

An der Wall Street kletterte die BP-Aktie nach der Abdichtung des Lecks um 7,6 Prozent. Auch im Londoner Handel legten die Papiere am Vormittag rund drei Prozent zu.

Seit dem Untergang der Plattform, bei dem auch elf Menschen ums Leben kamen, hat BP zahlreiche, letztlich erfolglose Versuche unternommen, das Öl einzudämmen. Wegen der kaum abschätzbaren Folgekosten ist BP mittlerweile dabei, Käufer für Unternehmensteile zu finden, um Geld in die Kasse zu bekommen. Wie CNBC berichtete, bemüht sich der US-Energiekonzern Apache unter anderem um größere Aktivitäten von BP in Alaska. Das Geschäft könnte BP zehn Milliarden Dollar bringen.

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