August 21, 2019 / 10:35 AM / a month ago

Bund verkauft erstmals 30-jährige Anleihen mit Minus-Rendite

The skyline, with the banking district and the European Central Bank (ECB) visible, is photographed in Frankfurt, Germany, August 13, 2019. Picture taken August 13, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Bei einer Emission neuer 30-jähriger Anleihen hat der Bund die Papiere erstmals mit einer Rendite unter null Prozent verkauft.

Die durchschnittlich Rendite bei der 824 Millionen Euro schweren Auktion betrug minus 0,11 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mit. Dies bedeutet, dass Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen. Normalerweise streichen sie dafür einen Zins ein.

Die unlängst wieder aufgeflammte Angst vor einer weltweiten Rezession treibt Anleger vermehrt in die als sicher geltenden Bundesanleihen. Hinzu kommen Spekulationen auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Wiederaufnahme von deren Bondkäufen. Dies drückte die Rendite der 30-jährigen Titel Anfang des Monats am Markt erstmals unter null Prozent. Seither sind sämtliche Schuldtitel des Bundes für Investoren ein Verlustgeschäft.

Viele Investoren stellt das vor ein Dilemma. “Für die Anleger wird der Druck immer größer, ein profitables Geschäft zu schaffen”, sagte NordLB-Analyst Michael Schulz. Früher konnten sie in Anleihen mit längerer Laufzeit ausweichen, doch werfen auch die nun keine Rendite mehr ab. “Es dürfte nun versucht werden, auf riskantere Anlageformen wie privates Beteiligungskapital auszuweichen, weil das noch Rendite verspricht”, sagte Schulz. “Versicherer können wegen der regulatorischen Vorschriften allerdings auch nicht unbegrenzt ausweichen auf riskantere Anlagen.” Sie müssen Kundengelder zu einem Großteil in sichere Anlageformen stecken. Dazu gehören deutsche Staatsanleihen, die von den großen Ratingagenturen mit der Bestnote “AAA” bewertet werden.

Viele Ökonomen fordern die Bundesregierung angesichts der extrem günstigen Finanzierungskonditionen dazu auf, die Schuldenbremse zu lockern und Kredite aufzunehmen. “Der Staat verdient sogar Geld, wenn er Schulden macht”, sagte etwa der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther. “Wenn er das jetzt nicht zugunsten von Investitionen tut, lässt er Geld auf der Straße liegen.” Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, tritt dafür ein, zusätzliche Schulden für Investitionen zu nutzen. “Deutschland hat einen riesigen Investitionsbedarf - bei der Infrastruktur, bei der Bildung und bei Innovation”, sagte er kürzlich. “Die gegenwärtige Politik geht zulasten künftiger Generationen, da der deutsche Staat von seiner Substanz lebt.”

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