March 2, 2020 / 8:47 AM / a month ago

Virus-Angst hält Börsen im Griff - Hoffen auf Notenbanken

Frankfurt (Reuters) - Die Hoffnung auf Notenbank-Hilfen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie hat zum Wochenauftakt für etwas bessere Stimmung am Aktienmarkt gesorgt.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Nach der schwärzesten Börsenwoche seit der Finanzkrise 2008 schloss der Dax am Montag nur noch 0,3 Prozent schwächer bei 11.857,87 Punkten. Der EuroStoxx50 schaffte sogar ein Plus von 0,3 Prozent bei 3340,52 Zählern. Im Handelsverlauf hatten beide Barometer aber zeitweise den niedrigsten Stand seit sechs Monaten markiert. “Das Geschehen an den Märkten ist von Angst und Panik dominiert, und entsprechend hektisch geht es zu”, sagte Michael Winkler, Chefstratege bei der St. Galler Kantonalbank Deutschland. Verschärft würden die Kursschwankungen durch automatisierte Handelsprogramme.

In den USA legten die Kurse sogar deutlich zu, alle drei großen Indizes gewannen mehr als zwei Prozent. Investoren erwarteten koordinierte Konjunkturhilfen der großen Industrienationen, sagte David Riley, leitender Anlagestratege des Vermögensverwalters BlueBay. “Der Schlüssel ist die US-Notenbank Fed. Sie wird nur schwer auf eine Zinssenkung verzichten können, wenn die wirtschaftlichen Belastungen offensichtlicher werden.” Ob das aber so viel bringen würde, sei fraglich, sagte Christian Wieschnewski, Portfoliomanager beim Bankhaus Bauer. Schließlich führe eine Zinssenkung in den USA nicht dazu, dass Produkte aus China schneller geliefert würden. “Davon abgesehen können sich Zinssenkungen aber durchaus kursstützend auswirken.”

Einem 3,6 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket der Regierung in Rom zum Trotz fiel der Leitindex der Mailänder Börse 1,4 Prozent auf 21.684,68 Punkte und markierte im Handelsverlauf mit 21.118,83 Zählern den tiefsten Stand seit gut einem halben Jahr. Der italienische Bankenindex gab zeitweise sogar 6,3 Prozent nach. “Das Letzte, was ein ohnehin fragiles italienisches Bankensystem braucht, ist ein Anstieg fauler Kredite”, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Italien ist das in Europa am stärksten vom Coronavirus betroffene Land.

Zum Auftakt der Handelsgespräche zwischen Großbritannien und der EU geriet auch das Pfund Sterling unter Druck. Sein Kurs fiel um bis zu 1,6 Prozent auf 1,1442 Euro, das ist der tiefste Stand seit fast fünf Monaten. Anleger befürchteten angesichts der verhärteten Fronten ein Scheitern der Verhandlungen, sagte CMC-Experte Madden. In diesem Fall droht zum Jahresende ein ungeregelter Brexit mit der Einführung von Zöllen. Dies hätte negative Effekte für die Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals.

T-BONDS BLEIBEN GEFRAGT - ROHSTOFFE DURCH DIE BANK TEURER

Die Zweifel der Anleger an einer raschen Erholung der Konjunktur spiegelte sich am Anleihemarkt wider, der als “sicherer Hafen” gilt. Die Nachfrage nach US-Staatspapieren bescherte den zehnjährigen Titeln mit 1,030 Prozent den sieben Tag in Folge ein Rekordtief. Ihr deutschen Pendants rentierten bei minus 0,667 Prozent. Auch Gold war nach dem Kursrutsch vom Freitag begehrt und verteuerte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 1610,49 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Hier spielten Börsianern zufolge auch die Zinssenkungsfantasien eine Rolle, da das Edelmetall oft als Inflationsschutz dient.

Am Kupfermarkt waren die Konjunkturoptimisten in der Überzahl. Das wichtige Industriemetall verteuerte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 5733,50 Dollar je Tonne. Parallel dazu stieg der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 4,2 Prozent auf 51,73 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem er wegen enttäuschender Konjunkturdaten aus China zunächst auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 48,40 Dollar gefallen war. Hier sorgten Spekulationen auf eine Verschärfung der Förderbremse durch die Opec und ihre Verbündeten für zusätzlichen Auftrieb, sagte Lachlan Shaw, Chef-Rohstoffanalyst der National Australia Bank.

DRÄGERWERK AUF HÖHENFLUG - LUFTHANSA IM SINKFLUG

Am deutschen Aktienmarkt sorgten die Papiere von Drägerwerk für Aufsehen. Sie stiegen um bis zu 15 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 67,05 Euro, binnen vier Handelstagen haben sich sie damit um knapp ein Drittel verteuert. Das ist die stärkste Rally in der Geschichte der Firma und bewegte viele Anleger, Gewinne mitzunehmen. Zum Handelsschluss lagen sie mit 58,40 Euro etwa auf dem Stand vom Freitag. Die Medizintechnikfirma bietet unter anderem in der Coronavirus-Epidemie gefragte Schutzbekleidung an.

Für Fluggesellschaften ging es dagegen erneut abwärts. Die Aktien von Lufthansa und Air France waren mit 10,70 Euro und 6,20 Euro zeitweise jeweils so billig wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Wegen wegbrechender Passagierzahlen streicht die Lufthansa zahlreiche Verbindungen.

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