July 19, 2018 / 6:43 AM / 3 months ago

Enttäuschende Bilanzen belasten Börsen - SAP auf Talfahrt

Frankfurt (Reuters) - Nach fünf Handelstagen mit steigenden Kursen haben am Donnerstag ernüchternde Geschäftszahlen einiger Großkonzerne den Anlegern an den europäischen Aktienbörsen die Kauflaune verdorben.

The German share price index DAX board is reflected in a glass at the stock exchange in Frankfurt, Germany, December 8, 2016. REUTERS/Ralph Orlowski

Der Dax verlor 0,6 Prozent auf 12.686 Punkte, der EuroStoxx50 gab ebenfalls nach. “Die Zahlen waren insgesamt etwas durchwachsen, deshalb nehmen einige Anleger ihre Gewinne mit”, sagte ein Händler. Neben dem deutschen Softwarekonzern SAP enttäuschte in den USA unter anderem Ebay die Anleger. An der Wall Street lagen die großen Indizes zum europäischen Handelsschluss knapp ein halbes Prozent im Minus. Zeitweise im Aufwind war der Dollar, was dem Euro und vor allem Pfund zu schaffen machte.

Laut Händlern sorgte vor allem am Devisenmarkt die laufende Debatte über die Art und Weise des EU-Austritts Großbritanniens für Nervosität. Am Mittwoch hatte Premierministerin Theresa May nur mit der Drohung von Neuwahlen eine Abstimmung im Unterhaus gewonnen. Enttäuschende Konjunkturzahlen dämpften zudem die Zinserhöhungsspekulationen. Das Pfund Sterling rutschte um fast einen US-Cent auf 1,2975 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt Anfang September 2017. Die Dollar-Stärke bekam auch der Euro zu spüren, der um etwa einen halben US-Cent auf 1,1586 Dollar rutschte.

EU-DATENSCHUTZ VERHAGELT BILANZ VON WERBEAGENTUR PUBLICIS

Ganz unten im Dax und im EuroStoxx50 standen mit einem Abschlag von 3,5 Prozent SAP. Damit ging mehr als die Hälfte des Dax-Kursverlustes auf das Konto des Index-Schwergewichts. Das mit einer Marktkapitalisierung von 150 Milliarden Euro wertvollste europäische Tech-Unternehmen hatte seine Gesamtjahresziele zwar erneut angehoben. Doch überzeugte es laut Börsianern die Anleger nicht ganz. Goldman Sachs bemängelte den Rückgang von Lizenzeinnahmen als negative Überraschung. Credit Suisse monierte zudem ein überraschend geringes Wachstum der Neuaufträge im Cloud-Geschäft.

In Paris stürzten die im Standardwerte-Index gelisteten Publicis um 8,8 Prozent ab. Wegen der neuen EU-Datenschutzrichtline sank der Quartalsumsatz der weltweit drittgrößten Werbeagentur. Dies sei das erste Mal, dass eine Werbefirma diese Begründung nutze, schrieben die Analysten des Vermögensberaters Kepler Cheuvreux in einem Kommentar. Im Sog von Publicis rutschten die Titel des Branchenprimus WPP, zu dem unter anderem die deutsche Agentur Scholz & Friends gehört, in London drei Prozent ab.

IBM UND DISNEY AN DER DOW-SPITZE

Auch in New York warfen einige Unternehmen lange Schatten auf den Markt. So stürzten Ebay um über zehn Prozent ab. Das Online-Auktionshaus hat wegen schleppender Geschäfte bei seinem Online-Tickethändler StubHub seine Umsatzziele gekappt. Auch Alcoa brachen um mehr als zehn Prozent ein, nachdem der Aluminiumkonzern im zweiten Quartal die Folgen der US-Zollpolitik zu spüren bekam und daher seine Gewinnprognose senkte. Der Versicherungskonzern Travellers und der Kreditkartenanbieter American Express enttäuschten mit ihren Zwischenberichten ebenfalls und fielen um drei und zwei Prozent.

Allerdings gab es auch einige Lichtblicke: Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM punktete bei den Anlegern mit einem Umsatz- und Gewinnanstieg. Die Papiere zogen um über drei Prozent an, womit sie im Dow zu den größten Gewinnern zählten. Walt Disney gewannen ebenfalls über drei Prozent. Der US-Kabelriese Comcast gibt das Rennen um das Film- und Fernsehgeschäft von 21st Century Fox auf, womit der Weg für Disney bei Fox endgültig frei ist.

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