August 10, 2018 / 6:38 AM / 6 days ago

Europas Börsen im Strudel der Türkei-Turbulenzen

Frankfurt (Reuters) - An den Finanzmärkten wächst die Furcht vor den Auswirkungen der Wirtschaftsturbulenzen in der Türkei.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the German share price index DAX board at the Frankfurt stock exchange, January 15, 2015. Global markets were thrown into turmoil on Thursday as a shock move by Switzerland to abandon its three-year cap on the franc sent the currency soaring and Europe's shares and bond yields tumbling. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS TPX IMAGES OF THE DAY)

Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag um jeweils zwei Prozent auf 12.424,35 und 3422,80 Punkte. Der Leitindex der Istanbuler Börse verlor ähnlich stark. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,6 Prozent nach. Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und war mit 1,1410 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt vor gut einem Jahr.

“Die Ursachen der Krise sind bekannt”, sagte Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank. “Eine Zentralbank, die trotz einer ausufernden Inflationsrate nicht aktiv wird und deren Unabhängigkeit mehr als fraglich ist, sowie ein türkischer Präsident, der zweifelhafte ökonomische Thesen vertritt, vor ausländischen Verschwörern warnt und außenpolitisch auf Konfrontationskurs mit den USA geht.”

Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn um fast die Hälfte abgewertet und fällt von einem Rekordtief auf das nächste. Am Freitag stieg der Kurs des Dollar zeitweise um fast 23 Prozent auf ein Rekordhoch von 6,801 Lira. Das ist der größte Kurssprung seit mehr als 17 Jahren. Gleiches galt für den Euro, der gut 18 Prozent gewann und mit 7,5792 Lira ebenfalls so viel kostete wie noch nie. Zusätzlichen Verkaufsdruck löste US-Präsident Donald Trump mit seiner Ankündigung aus, die Strafzölle auf türkische Aluminium- und Stahlimporte zu verdoppeln. Am Abend kosteten Dollar und Euro noch 6,4092 und 7,3064 Lira.

Der türkische Wirtschaftsminister Berat Albayrak betonte, die Regierung werde noch stärker auf Haushaltsdisziplin achten und ein Hauptaugenmerk auf Strukturreformen legen. “Es ist ein zarter Ansatz, die Krise in den Griff zu bekommen”, urteilte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Solvecon-Invest. “Die entscheidenden Worte müssen aber von Erdogan kommen.” Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die aktuellen Kursturbulenzen als künstlich herbeigeführt und rief die Bevölkerung dazu auf, Devisen und Edelmetalle in Lira zu tauschen.

Statt zu verkaufen, deckten sich einige Anleger verstärkt mit Gold ein. Die “Antikrisen-Währung” verteuerte sich um bis zu 0,4 Prozent auf 1217,03 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und auch die als sicher geltende Schweizer Währung war gefragt. Der Euro fiel im Gegenzug auf ein Zwölf-Monats-Tief von 1,1344 Franken.

FINANZWERTE UNTER DRUCK

Durch die Abwertung ihrer Währung wird es für türkische Schuldner schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen. Ein großer Teil hiervon entfalle auf kurzfristige Verbindlichkeiten türkischer Banken, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Einem Zeitungsbericht zufolge ist daher die Europäische Zentralbank (EZB) hellhörig geworden.

Die Aktien der in dem Bericht explizit erwähnten Institute - die französische BNP Paribas, die italienische HVB-Mutter Unicredit und die spanische BBVA - brachen daraufhin bis zu 6,6 Prozent ein - die letzteren markierten mit 13,51 und 5,60 Euro zudem jeweils ein Eineinhalb-Jahres-Tief. Der türkische Bankenindex sackte um 6,5 Prozent ab und sein Pendant für die Euro-Zone verlor 3,5 Prozent. Deutsche Bank und Commerzbank waren mit Kursverlusten von 3,5 und 4,1 Prozent die größten Verlierer im Dax. In den USA rutschten die Titel der Geldhäuser Goldman Sachs und JPMorgan um bis zu 1,3 Prozent ab.

STREIKS SETZEN RYANAIR ZU

Bei den Unternehmen stand der Billigflieger Ryanair im Rampenlicht, bei dem wegen eines Pilotenstreiks 400 von etwa 2400 geplanten Flügen ausfallen. Der zunehmende Einfluss der Gewerkschaften werde höhere Lohnkosten und geringere Gewinnmargen zur Folge haben, sagte Markets.com-Experte Wilson. Außerdem dämpften die Flugstreichungen das Umsatzwachstum. Ryanair-Aktien verloren 4,2 Prozent. Die Titel des Erzrivalen EasyJet gaben 1,2 Prozent nach.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below