November 5, 2019 / 6:36 AM / 13 days ago

Anleger setzen auf Konjunkturschub und Jahresendrally

Frankfurt (Reuters) - Spekulationen auf eine Aufhebung der gegenseitigen Strafzölle zwischen den USA und China haben die Stimmung an den Börsen aufgehellt.

A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt, Germany December 29, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

“Wer hätte sich das vor drei Monaten noch träumen lassen?”, fragte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Offenbar wolle US-Präsident Donald Trump einen raschen Erfolg vorweisen, um seine Chancen für eine Wiederwahl im kommenden Jahr zu erhöhen.

Der EuroStoxx50 stieg am Dienstag zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 3678,63 Punkten, der breiter gefasste Stoxx600 notierte mit 404,65 Zählern sogar so hoch wie zuletzt vor fast viereinhalb Jahren. An der Wall Street markierte der Standardwerteindex Dow Jones mit 27.560,36 Stellen ein Rekordhoch. Der Dax legte dagegen nach seiner Rally der vergangenen Wochen eine Verschnaufpause ein und schloss kaum verändert bei 13.148,50 Punkten. “Anleger wollen trotz der positiven Entwicklung bisher konkrete Ergebnisse sehen”, sagte Volkswirt Hubert de Barochez vom Research-Haus Capital Economics.

Insidern zufolge drängt China darauf, im Rahmen des geplanten Handelsabkommens “alle Strafzölle so schnell wie möglich zu beseitigen”. Der “Financial Times” zufolge spielt die Regierung in Washington mit der Idee, einige der Sonderabgaben zu streichen. “Das würde nicht nur der Wirtschaft helfen, sondern auch den Waffenstillstand der Konfliktparteien nachhaltiger erscheinen lassen”, sagte Anlagestratege Yukino Yamada vom Brokerhaus Daiwa. Dies gab der chinesischen Währung Auftrieb. Im Gegenzug fiel der Dollar um bis zu 0,6 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 6,9876 Yuan.

ÖL UND KUPFER TEURER - GOLD UND ANLEIHEN BILLIGER

Auch am Rohstoffmarkt spiegelte sich der wachsende Konjunkturoptimismus wider. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 62,91 Dollar je Barrel (159 Liter) und das wichtige Industriemetall Kupfer kostete mit 5943 Dollar je Tonne 1,1 Prozent mehr als am Montag.

Die “Antikrisen-Währung” Gold war dagegen weniger gefragt. Sie verbilligte sich um 1,8 Prozent auf 1482,77 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bundesanleihen flogen ebenfalls aus den Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von minus 0,302 Prozent.

BILANZSAISON LÄUFT AUF VOLLEN TOUREN

Neben dem Thema Zollstreit hielt die Bilanzsaison Börsianer auf Trab. Bislang haben gut die Hälfte der europäischen Firmen Zahlen vorgelegt. Dabei übertrafen sie mehrheitlich die niedrigen Markterwartungen.

Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte Evonik mit einem Kursplus von 3,8 Prozent auf 25,20 Euro. Dank überraschend hoher Einsparung habe der operative Gewinn die Erwartungen übertroffen, schrieb Analyst Heiko Feber vom Bankhaus Lampe.

Die Aussicht auf eine höhere Dividende überzeugte dagegen die Anleger von Vonovia nicht. Die Papiere der Immobilienfirma verloren 2,4 Prozent auf 46,75 Euro. Der Ausblick zum operativen Ergebnis (FFO) 2020 bleibe hinter seinen Erwartungen zurück, schrieb Analyst Thomas Rothäusler von der Investmentbank Jefferies.

An der Wall Street brachen die Titel von Uber um 7,5 Prozent ein. Wegen gestiegener Kosten und Investitionen machte der Fahrdienst-Vermittler einen erneuten Milliardenverlust. Der Fehlbetrag sei zwar nicht so groß wie im Vorquartal, aber schlimmer als befürchtet, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Enttäuschend sei zudem die Zahl der aktiven Nutzer. Er halte Uber für überbewertet. “Schließlich hat das Unternehmen bislang noch keinen Gewinn gemacht und wird es bei einer Fortsetzung des aktuellen Trends wohl auch niemals tun.”

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