March 10, 2020 / 6:29 AM / in 19 days

Nach "Schwarzem Montag" erneut dunkle Wolken über Börsen

Frankfurt (Reuters) - Nach dem größten Absturz der europäischen Börsen seit Jahren geht der Ausverkauf weiter.

A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt, Germany December 29, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Die anfängliche Freude über geplante Konjunkturprogramme von Staaten und Notenbanken verpuffte am Dienstag rasch. Die drastische Beschränkung der Bewegungsfreiheit in Italien wegen der Coronavirus-Epidemie lasse befürchten, dass auch andere Staaten hierzu gezwungen sein könnten, schrieben die Experten des Fondsanbieters La Financiere de l’Echiquier. “Dies würde eine abrupte Blockade der Konjunktur zur Folge haben, die die Weltwirtschaft in eine Rezession führen könnte.”

Der Dax verlor am Dienstag 1,4 Prozent und schloss mit 10.475,49 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit gut einem Jahr, nachdem er am Montag um etwa acht Prozent eingebrochen war. Der EuroStoxx50 fiel zeitweise auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief von 2896,74 Zählern und lag am Abend 1,5 Prozent im Minus bei 2914,06 Stellen. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones seine anfänglichen Kursgewinne von vier Prozent fast komplett ab.

Im Kampf gegen die Gesundheitskrise stellte US-Präsident Donald Trump Steuersenkungen und andere Maßnahmen in Aussicht. Erhoffte Details blieb er aber zunächst schuldig. Einem Insider zufolge wollte er hierüber am Dienstag mit US-Senatoren beraten. Unterdessen stockte Italien sein milliardenschweres Konjunkturprogramm auf. Derartige Hilfen entfalteten aber nur längerfristig Wirkung, warnte Manfred Schlumberger, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters StarCapital. “Eine Rezession in Europa im ersten Halbjahr ist wohl kaum noch zu vermeiden.”

ÖLPREIS ZIEHT WIEDER AN - NEUE FÖRDERBREMSE?

Der Ölpreis blieb dagegen auf Erholungskurs. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich in der Spitze um gut elf Prozent auf 38,22 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem sie am Montag wegen des Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland und etwa ein Viertel abgestürzt war. Die beiden wichtigen Exportländer signalisierten inzwischen Bereitschaft zu Gesprächen über Maßnahmen zur Stützung der Preise. Vor diesem Hintergrund stiegen Investoren wieder bei den Ölkonzernen ein. So gewannen die Aktien von BP, Chevron, Exxon, Shell und Total bis zu 4,7 Prozent.

Aus “sicheren Häfen” zogen sie sich dagegen zurück. So verbilligte sich “Antikrisen-Währung” Gold um 1,5 Prozent auf 1653,15 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Ein erneuter Sprung über die 1700er Marke wäre aber nicht überraschend, sagte Analyst Han Tan vom Online-Broker FXTM. Auslöser einer solchen Rally könnten eine raschere Ausbreitung des Coronavirus oder harte Fakten über die Beeinträchtigung der großen Volkswirtschaften durch die Epidemie sein.

POST SIEHT ERHOLUNGSZEICHEN IN CHINA

Dank eines ermutigenden Ausblicks gehörte die Deutsche Post mit einem Kursplus 6,1 Prozent zu den Favoriten im Dax. Das Management des Brief- und Paketzustellers klinge den aktuellen Turbulenzen zum Trotz bemerkenswert optimistisch, urteilte Analyst William Fitzalan Howard von der Berenberg Bank.

Gefragt waren auch die Papiere von Infineon, nachdem die USA der Übernahme des Rivalen Cypress grünes Licht gegeben hatten. Die noch ausstehende Genehmigung chinesischer Behörden werde sicher bald folgen, schrieb Analyst Janardan Menon von Investmentbank Liberum. Der Zukauf stärke Infineons Marktposition und Ertragskraft. Die Aktien des deutschen Chip-Herstellers stiegen um 1,1 Prozent. Cypress-Titel verbuchten mit einem Plus von fast 50 Prozent den größten Kurssprung seit mehr als elf Jahren.

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