March 12, 2020 / 7:48 AM / 17 days ago

"Schwarzer Donnerstag" - Anlegerpanik wegen US-Einreisestopp

Frankfurt (Reuters) - Das überraschende US-Einreiseverbot für Personen aus Europa stürzt die internationalen Aktienmärkte in neue Turbulenzen und brockt Europas Börsen zweistellige prozentuale Kursverluste ein.

U.S. President Donald Trump speaks about the U.S response to the COVID-19 coronavirus pandemic during an address to the nation from the Oval Office of the White House in Washington, U.S., March 11, 2020. Doug Mills/Pool via REUTERS

“Das ist eine massive Über-Reaktion von US-Präsident Donald Trump”, sagte Ayush Ansal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Crimson Black. “Die Volkswirtschaften und Finanzmärkte werden den Preis dafür bezahlen müssen.” Die Folgen könnten noch in Monaten, wenn nicht sogar Jahren spürbar sein.

Der Dax fiel am Donnerstag auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief von 9139,12 Punkten und schloss 12,2 Prozent im Minus bei 9161,13 Zählern. Das ist der zweitgrößte Tagesverlust einer Geschichte. Nur im Oktober 1989 ging es nach einem Crash an der Wall Street mit einem Minus von 13,1 Prozent noch stärker bergab.

Die pan-europäischen Indizes EuroStoxx50 und Stoxx600 brachen jeweils rund elf Prozent ein und verbuchten die schwärzesten Tage ihrer Geschichte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel zeitweise um fast zehn Prozent. Das ist der größte Kurssturz seit dem “Schwarzen Montag” von 1987. Auch der Euro stand unter Verkaufsdruck, er verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 1,1086 Dollar. “Die Panik kennt - wie der Virus auch - keine Grenzen”, sagte Karim Yousfi, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Audacity.

Da brachte auch das Hilfspaket der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie keine Linderung. “Die EZB konnte nur enttäuschen, nachdem der Markt nichts anderes als ein Wunder erwartet hatte”, sagte Christoph Kutt, leitender Anlagestratege der DZ Bank. Entgegen den Erwartungen beließ die EZB den Einlagenzins unverändert bei minus 0,5 Prozent. Sie kündigte aber die Aufstockung ihrer Wertpapierkäufe und Billig-Kredite für mittlere und kleinere Unternehmen an.

TRUMP VERHÄNGT EINREISE-SPERRE FÜR EUROPÄER

Ab Freitag darf für 30 Tage niemand mehr aus den meisten Ländern Europas in die USA einreisen. Ausgenommen sind US-Bürger. Auch für Großbritannien gelten die Sanktionen nicht. “Reisebeschränkungen sind gleichbedeutend mit geringerer Wirtschaftsaktivität”, sagte Stephen Innes, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Axicorp. Besonders hart traf es erneut die Luftfahrt- und Touristikwerte. Der europäische Branchenindex brach um knapp 13 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit 28 Jahren. US-Fluggesellschaften wie American Airlines, Delta oder United verloren bis zu 14 Prozent.

Die Furcht vor einer Rezession und einer Pleitewelle trieb die Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle in die Höhe. Der Markit iTraxx Crossover-Index stieg auf ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch. Gleichzeitig gingen die europäischen Finanzwerte erneut auf Talfahrt. Ihr Index brach um mehr als 13 Prozent ein.

ÖLPREISE RUTSCHEN AB - ANLEIHEN BLEIBEN GEFRAGT

Am Rohölmarkt verhagelte neben dem Konjunkturpessimismus der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland Investoren die Stimmung. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um neun Prozent auf 32,58 Dollar je Barrel (159 Liter). “Sollte der Kampf um Marktanteile nicht stoppen, wird Brent zum Jahresende bei etwa 20 Dollar liegen”, sagte Robert Ryan, Chef-Anlagestratege für Energie beim Research-Haus BCA.

Dies drückte den Index für die europäische Öl- und Gas-Branche zeitweise auf den tiefsten Stand seit gut 23 Jahren. Ihre US-Rivalen Chevron und Exxon büßten bis zu 10,5 Prozent ein. Bei anhaltend niedrigen Preisen drohe eine Pleitewelle bei den US-Schieferölförderern, warnte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM. Diese haben wegen des aufwendigen Fracking-Verfahren relativ hohe Kosten. Aus der Branche brachen Titel wie Marathon oder Apache um bis zu zehn Prozent ein.

Vor diesem Hintergrund flüchteten Anleger in “sichere Häfen”. Dies drückte die Renditen der zweijährigen Titel aus Deutschland und den USAauf Rekordtiefs von minus 1,020 beziehungsweise plus 0,378 Prozent. Die “Antikrisen-Währung” Gold konnte ihre anfänglichen Gewinne jedoch nicht halten und verbilligte sich um 3,6 Prozent auf 1574,87 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Investoren müssten verkaufen, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen, sagte Goldhändler Alexander Zumpfe vom Edelmetall-Verarbeiter Heraeus.

Unter Mitarbeit von Anika Ross und Patricia Uhlig, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 69 7565 1236 oder +49 30 2888 5168.

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