June 11, 2020 / 7:28 AM / 24 days ago

Furcht vor zweiter Corona-Welle und Fed-Ausblick lassen Börsen absacken

Frankfurt (Reuters) - Anzeichen für ein Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie in den USA setzen den Aktienbörsen zu.

A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt, Germany December 29, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Ein pessimistischer Konjunkturausblick der US-Notenbank Fed verdarb Investoren an Fronleichnam die Laune zusätzlich. Dax und EuroStoxx50 büßten am Donnerstag jeweils mehr als vier Prozent auf 11.970 beziehungsweise 3159 Punkte ein. Für sie waren es die größten Kursverluste seit dem Ausverkauf vom März. An der Wall Street verlor der US-Standardwerteindex Dow Jones ähnlich stark.

“Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg”, warnte Fed-Chef Jerome Powell. Ein “erheblicher Teil” der Menschen werde auf längere Zeit arbeitslos bleiben. “Die Theorie einer V-förmigen Konjunkturerholung ist damit gestorben”, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Dies schickte die Reise- und Touristikwerte auf Talfahrt, die in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich von den Hoffnungen auf eine rasche Überwindung der Pandemie profitiert hatten. Der europäische Branchenindex rutschte um 5,6 Prozent ab.

Nach Einschätzung von Folker Hellmeyer, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Solvecon-Invest, habe Powell gar kein optimistischeres Bild malen können, ohne eine Exit-Strategie aus der aktuellen, ultra-lockeren Geldpolitik zu präsentieren. Stattdessen habe sie die klare Ansage geliefert, die Konjunktur mit allen Mitteln zu stützen. “Mehr konnte und mehr kann nicht erwartet werden.” Ähnlich äußerte sich Nigel Green, Chef des Anlageberaters deVere: “Dieses ‘Sicherheitsnetz’ der Fed reduziert die Gefahr eines zweiten Börsencrashs deutlich, selbst wenn die Konjunkturdaten im nächsten Quartal noch einmal schlechter ausfallen.”

ZWEITE WELLE ODER TEIL DER ERSTEN WELLE?

Sorgen bereiteten Börsianern die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in den USA. “Ich würde aber nicht von einer zweiten Welle sprechen, da die Situation nie unter Kontrolle war”, mahnte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. “In den Staaten, die die Pandemie-Restriktionen lockern, nachdem sie das Virus unter Kontrolle gebracht hatten, sehen wir bislang keine Anzeichen für eine Rückkehr des Erregers.” Die Industriestaaten-Organisation OECD warnte, eine zweite Infektionswelle könne die wirtschaftliche Erholung deutlich verlangsamen.

Der Konjunkturpessimismus der Investoren spiegelte sich auch am Rohstoffmarkt wider. Das wichtige Industriemetall Kupfer verbilligte sich um gut zwei Prozent auf 5780,50 Dollar je Tonne. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee büßte 6,6 Prozent auf 38,98 Dollar je Barrel (159 Liter) ein. Hier laste das Rekordhoch der US-Lagerbestände zusätzlich auf den Preisen, sagten Börsianer.

Einige Anleger flüchteten in “sichere Häfen” wie Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf minus 0,431 von minus 0,331 Prozent. Die Schweizer Währung war ebenfalls gefragt. Dadurch fiel der Kurs des Dollar zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 0,9375 Franken. Die “Antikrisen-Währung” Gold verteidigte ihre jüngsten Kursgewinne und kostete 1736 Dollar je Feinunze.

DROHENDER JOB-KAHLSCHLAG BEI LUFTHANSA

Bei den Unternehmen stand die Lufthansa im Fokus. Wegen des weitgehenden Stillstands des Luftverkehrs müssen fast 20 Prozent der Beschäftigten um ihren Job bangen. Lufthansa-Aktien fielen um gut neun Prozent auf 10,16 Euro.

In den USA rutschten die Titel von Uber und Lyft um bis zu acht Prozent ab. Den kalifornischen Behörden zufolge gelten die Fahrer der Fahrdienstvermittler in dem US-Bundesstaat künftig als Angestellte statt als Subunternehmer. Damit haben sie unter anderem Anspruch auf bezahlte Überstunden und Krankenversicherung.

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