June 15, 2020 / 5:29 AM / 20 days ago

Börsianer gehen aus Furcht vor zweiter Corona-Welle in Deckung

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Aus Furcht vor einer zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie sind Anleger zum Wochenauftakt in Deckung gegangen.

Steigende Infektionszahlen in China, Japan und den USA verdarben den Investoren die Stimmung. “Die Angst vor einer zweiten Welle mit dramatischen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft ist zurück”, sagte Adolf Rodenstock, Experte bei der Vermögensverwaltung MainSky Asset Management. “Der Ausblick für den weiteren Verlauf der Pandemie bleibt extrem unsicher.”

Der Dax büßte am Montag 0,3 Prozent auf 11.911,35 Punkte ein, der EuroStoxx50 gab 0,5 Prozent auf 3139,61 Zähler nach. Zeitweise hatten beide Barometer rund drei Prozent verloren. Der Volatilitätsindex VStoxx, auch als “Angstbarometer” bekannt, stieg zeitweise mit 45,2 Punkten auf den höchsten Stand seit fast acht Wochen. In den USA gaben die Kurse nach. In China stemmt sich die Regierung mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen gegen das Virus, nachdem binnen vier Tagen 79 Neuinfektionen gemeldet wurden. “China war das erste Corona-Ausbruchs-Land”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. “Viele fragen sich jetzt, ob China auch das erste Land mit der zweiten Welle ist.”

Die zunehmende Unsicherheit ließ Anleger zu als “sicherer Hafen” geltenden Anlagen wie Staatsanleihen greifen. Im Gegenzug fiel die Rendite etwa auf 10-jährige deutsche Anleihen auf ein Drei-Wochen-Tief von minus 0,47 Prozent. “Ein zweiter Lockdown hätte katastrophale Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, manche Länder könnten sich solche Maßnahmen nicht mehr leisten”, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst vom Brokerhaus AxiTrader.

ÖLPREIS UNTER DRUCK

Die Furcht vor einer erneuten Corona-Welle setzte auch den Ölpreis unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 3,8 Prozent auf 37,24 Dollar, leichtes US-Öl kostete mit 34,36 Dollar 5,2 Prozent weniger. Bereits in der vergangenen Woche waren die Ölpreise abgerutscht. Der düstere Eindruck wurde durch neue Wirtschaftszahlen verstärkt. So steigerte Chinas Industrie die Produktion im Mai schwächer als erwartet. “Es sieht so aus, als ob der Markt zuletzt auf einem Ohr taub war und sich nur auf die Nachrichten konzentriert hat, die für einen steigenden Preis sprechen, wie die Förderdisziplin der Opec und die rückläufige Förderung in anderen Ländern”, sagte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg.

BP AUF VERKAUFSZETTEL

Milliardenschwere Abschreibungen wegen eines verdüsterten Ölpreis-Ausblicks veranlassten Anleger, Aktien von BP aus den Depots zu schmeißen. Anteilsscheine des Ölriesen gaben in London bis zu 6,5 Prozent nach. Sie schlossen fast drei Prozent im Minus. Wegen der Senkung des Ausblicks für die langfristigen Öl- und Gaspreise um rund 30 Prozent will BP im zweiten Quartal bis zu 17,5 Milliarden Dollar abschreiben.

Größter Verlierer im Dax war die Lufthansa mit einem Minus von drei Prozent. Auch die von der Coronakrise schwer getroffene Lufthansa-Tochter Austrian Airlines will ihre Geschäfte bis 2022 um 20 Prozent zurückstutzen.

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