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Marktnachrichten

Anleger fürchten zweite Corona-Welle - Kurssturz bei Wirecard

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Die Furcht vor einer zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie hat den europäischen Anlegern zum Wochenauftakt die Stimmung verdorben.

Pierre Veyret, Analyst beim Handelshaus ActivTrades, verwies auf steigende Infektionszahlen in Deutschland, Australien und den USA. “Es ist schwierig zu sagen, ob die derzeitige Konsolidierung die Tür zu einer Korrektur öffnet, oder ob es nur eine Pause ist, bevor die Kurse auf neue Höchststände klettern.”

Dax und EuroStoxx50 gaben am Montag 0,6 beziehungsweise 0,9 Prozent auf 12.262,97 und 3239,89 Punkte nach. In den USA notierten die Kurse kaum verändert.

Unter anderem wegen eines Coronavirus-Ausbruchs in einem Schlachthof liegt der Virus-Reproduktionsfaktor “R” in Deutschland laut Robert-Koch-Institut deutlich über eins. Dies bedeutet, dass ein Infizierter mehr als eine weitere Person ansteckt. Parallel dazu meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Rekordanstieg der Neuinfektionen weltweit. “Ein erneutes Herunterfahren der Weltwirtschaft dürfte den Börsen stark zusetzen”, warnte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Vor diesem Hintergrund suchten einige Anleger Schutz in “sicheren Häfen”. Der Preis der “Krisen-Währung” Gold stieg um ein knappes Prozent auf 1759,21 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und lag nur noch etwa sechs Dollar unter seinem Siebeneinhalb-Jahres-Hoch vom Mai. Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt. Dadurch sank die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,442 Prozent.

Bei den Unternehmen stand erneut Wirecard im Mittelpunkt. Die Aktien des von einem Bilanzskandal erschütterten Zahlungsdienstleisters stürzten um weitere 44 Prozent ab und waren mit 12,99 Euro zeitweise so billig wie zuletzt vor acht Jahren. Dem Management zufolge existieren die fehlenden rund zwei Milliarden Euro mit “überwiegender Wahrscheinlichkeit” nicht. Insidern zufolge stehen Haftbefehle im Raum. “Wirecard muss sich nun darauf konzentrieren, sich notwendige Kreditlinien zu sichern, um das operative Geschäft am Laufen zu halten”, mahnte Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe.

ERMITTLUNGSVERFAHREN BELASTET MINENKONZERN GLENCORE

Im Visier der Behörden befindet sich auch Glencore. Die Schweizer Staatsanwaltschaft leitete strafrechtliche Ermittlungen wegen angeblicher Missachtung von Anti-Korruptionsmaßnahmen ein. Auch die Justiz in den USA und Großbritannien geht gegen den Bergbaukonzern vor. In allen drei Fällen sei unklar, wie lange die Ermittlungen dauern und welche Strafen es am Ende gebe, konstatierte Analyst Ban Davis von der Investmentbank Liberum. Glencore-Titel rutschten um 3,3 Prozent ab.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Titel der Lufthansa, die erstmals seit Einführung des Dax vor gut 30 Jahren nicht mehr im deutschen Auswahlindex vertreten sind. “Es bleibt ungewiss, ob die Aktionäre der Kranich-Airline auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag dem Rettungspaket des Bundes zustimmen”, führte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader aus. “Sollte dies nicht der Fall sein, müsste die Lufthansa Insolvenz beantragen.” Lufthansa-Papiere verbilligten sich um 3,2 Prozent.

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