May 23, 2018 / 6:11 AM / 5 months ago

Italiens Politik und Handelspoker belasten Börsen

Frankfurt (Reuters) - Sorgen um die künftigen Beziehungen Italiens zur EU haben am Mittwoch die Finanzmärkte belastet.

FILE PHOTO: Traders prepare before the opening of the German stock exchange in front of the empty DAX board, at the stock exchange in Frankfurt, Germany, June 24, 2016. REUTERS/Staff/Remote/File Photo

Der Dax fiel um 1,5 Prozent auf rund 12.977 Punkte. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls mehr als ein Prozent. Bei den italienische Staatsanleihen ging der Ausverkauf weiter, und auch der Euro geriet unter Druck. “Italien ist die Achillesferse der Euro-Zone”, fasste Analyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler die Stimmung zusammen. Zweifel an einer baldigen Beilegung des chinesisch-amerikanischen Handelsstreits belasteten die Stimmung an der Wall Street, wo der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss ein halbes Prozent im Minus notierte.

“Italien ist groß genug und verschuldet genug, um eine Eurokrise 2.0 im Alleingang auszulösen”, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Das Land ist in der Euro-Zone die drittgrößte Volkswirtschaft nach Deutschland und Frankreich. Das Bündnis aus der populistischen 5-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega plant unter anderem höhere Sozialausgaben, Steuersenkungen und eine Rücknahme der Rentenreform. Damit würde die Verschuldung Italiens in die Höhe getrieben, was in der EU auf scharfe Kritik stößt. Die Zustimmung von Staatspräsident Sergio Mattarella für die Ernennung des von den Koalitionspartnern vorgeschlagenen Juraprofessors Giuseppe Conte zum Regierungschef stand zum Börsenschluss noch aus.

Während die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen auf ein 14-Monats-Hoch von 2,46 Prozent sprangen, gaben die Verzinsungen der deutschen Pendants zeitweise auf weniger als ein halbes Prozent nach. Der Euro fiel vorübergehend um etwa einen US-Cent auf 1,1689 Dollar und lag damit wieder auf dem Niveau vom vergangenen November. Viele legten stattdessen ihr Geld in den als sicher geltenden Schweizer Franken an, der auf Zwei-Monats-Hoch zum Euro stieg. Zum anderen preisten einige Anleger aber auch eine Zinserhöhung im Sommer nächsten Jahres aus, sagten Börsianer. Denn die Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone verlor einer Umfrage zufolge im Mai merklich an Schwung.

Zu den größten Dax- und EuroStoxx-Verlierern zählten einige der Gewinner vom Dienstag. Dazu gehörten auch VW mit einem Abschlag von 2,7 Prozent. Als erste Großstadt Deutschlands führt noch in diesem Monat Hamburg ein Diesel-Fahrverbot für ausgesuchte Straßenabschnitte ein.

VERFALL DER LIRA TREIBT ANLEGER IN SICHEREN US-ANLEIHE-HAFEN

Für Stirnrunzeln sorgte zudem US-Präsident Donald Trump, der sich unzufrieden mit dem Stand der Handelsgespräche mit China zeigte. Erst an Pfingsten hatte eine Grundsatzvereinbarung zwischen Regierungsvertretern beider Seiten die Märkte in Kauflaune versetzt. Ebenfalls auf die Stimmung drückte, dass Trump das geplante Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un infrage stellte.

Viele Anleger griffen auch daher bei den als sicher geltenden US-Staatsanleihen zu. Die Rendite der zehnjährigen Bonds rutschte wieder in Richtung 3,01 Prozent, nachdem sie am Dienstag mit 3,128 Prozent so hoch wie seit fast sieben Jahren nicht mehr notiert hatten. Händler verwiesen aber auch auf den Sinkflug der türkischen Lira, die zeitweise zum Dollar über fünf Prozent verlor. Anleger fürchten einen verstärkten Einfluss von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf die Geldpolitik der Notenbank, die er nach den Wahlen im Juni mehr kontrollieren will.

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