October 8, 2018 / 5:48 AM / 2 months ago

Zinsspekulationen und Italien-Sorgen setzen Börsen schwer zu

The German stock market index DAX is reflected in a logo at the Frankfurt stock exchange in Frankfurt Germany, October 14, 2016. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Spekulationen auf steigende US-Zinsen haben auch zu Wochenbeginn die europäischen Börsen in die Knie gezwungen.

Der Dax verlor 1,4 Prozent auf 11.947 Punkte und schloss damit so niedrig wie zuletzt im März. Der EuroStoxx50 verlor rund ein Prozent. “Der Dax gerät in unruhiges Fahrwasser”, warnte Helaba-Analyst Christian Schmidt. Vor allem die steigenden Renditen am Rentenmarkt signalisierten eine wachsende Risikoaversion der Anleger. Stephen Innes vom Handelshaus Oanda sprach in diesem Zusammenhang von einer “giftigen Kombination” für die Aktienmärkte. Viele Anleger nähmen Reißaus. Der Dow Jones lag zum Handelsschluss in Europa 0,5 Prozent im Minus. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 1,1 Prozent.

Für Unsicherheit sorgte auch die Entscheidung der chinesischen Notenbank, den heimischen Banken mit der Absenkung der Kapitalanforderungen unter die Arme zu greifen. Die  Volksrepublik bereite sich weiter auf eine Eskalation des Handelskriegs vor, erklärte NordLB-Analyst Stefan Große. “Trotz des Abkommens zwischen den USA und Kanada respektive Mexiko scheint Peking eher skeptisch zu sein, ob Washington nun tatsächlich kompromissbereit ist. Zu oft wurde China freilich auch schon die Tür vor der Nase zugeschlagen.”

Für Unbehagen sorgte auch ein verbaler Schlagabtausch zwischen US-Außenminister Mike Pompeo und seinem chinesischen Kollegen Wang Yi. Letzterer warf den USA zum Auftakt des China-Besuchs Pompeos unter anderem vor, unberechtigte Kritik an der chinesischen Innen- und Außenpolitik zu üben. Pompeo sprach von “grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten”.

Besonders lange Gesichter gab es angesichts des andauernden Streits mit der EU über die italienische Haushaltsplanung an der Mailänder Börse, wo der Leitindex um mehr als zwei Prozent absackte. Der Ausverkauf bei den Anleihen schob die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihenauf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch von 3,626 Prozent. Im internationalen Rentenhandel war es am Montag wegen eines Teil-Feiertags in den USA dagegen ruhiger. Wegen des Columbus Day blieb der Rentenmarkt am Montag geschlossen. Am Freitag hatte die Rendite zehnjähriger US-Bonds ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch von 3,248 Prozent markiert.

“ALLES WAS MIT DEM NETZ ZU TUN HAT, FLIEGT HEUTE RAUS”

Angesichts dieser Gemengelage machten viele Anleger Kasse. Im Dax bekam das besonders der Index-Neuzugang Wirecard zu spüren. Die Aktien des Online-Zahlungsabwickler stürzten um zwölf Prozent ab, lagen damit aber immer noch knapp 80 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Wegen ihrer vorangegangenen überdurchschnittlichen Kurssteigerungen seien Technologiewerte insgesamt besonders anfällig für Gewinnmitnahmen, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. “Ein Ausverkauf dieser könnte eine stärkere Korrektur am Gesamtmarkt auslösen.” Im deutschen Handel gerieten auch Aktien von Internetkonzernen wie Delivery Hero und Zalando unter Druck und verloren 5,8 beziehungsweise 3,3 Prozent. “Alles, was mit dem Netz zu tun hat, fliegt heute raus”, sagte ein Händler.

Der Finanzsektor blieb insgesamt unter Druck, was Händler vor allem auch auf Unsicherheit bei Italien zurückführten, deren Anleihen viele im Depot haben. So fielen die im MDax gelisteten Papiere der Commerzbank um 4,6 Prozent. Im Dax zählten die Deutsche Bank und im EuroStoxx50 die italienische Intesa SanPaolo mit Kursverlusten von 1,6 und rund drei Prozent zu den Schlusslichtern.

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