November 20, 2018 / 7:13 AM / 22 days ago

Börsen im Abwärtsstrudel - Anleger immer skeptischer

Frankfurt (Reuters) - Angesichts von Warnungen aus Industrie und Handel über zu hohe Erwartungen an Gewinn und Umsatz werfen immer mehr Anleger Aktien überbord.

The German share price index DAX graph is pictured at the stock exchange in Frankfurt, Germany, November 19, 2018. REUTERS/Staff

Der Dax fiel um 1,6 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 11.066 Punkte und behauptete damit nur knapp die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Zählern. Darunter hat er zuletzt im Dezember 2016 gelegen. Auch der EuroStoxx50 verlor etwa eineinhalb Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 3116 Punkten. In New York lag der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss zwei Prozent tiefer.

“Aktien sind mit teilweise hohen Rabatten zu haben, nur keiner will so recht zugreifen”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Auch weil die Investoren befürchten, dass in diesem Jahr die Einzelhandelsumsätze in der Vorweihnachtssaison eben nicht mehr so sprudeln.” Wegen der am Rentenmarkt steigenden Renditen seien Aktien nicht mehr so konkurrenzlos, erklärte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader den andauernden Ausverkauf. Das belaste vor allem die Lieblinge der Vergangenheit. “Und was hoch steigt, kann tief fallen und es kann vor allem noch tiefer fallen.” Die Fed dürfte im Dezember erneut die Zinsen anheben.

Zu der schlechten Stimmung trägt laut Analysten zum einen eine Vielzahl von politischen Unabwägbarkeiten vom Handelsstreit der USA mit China über den Brexit bis zum Konflikt zwischen Italien und der EU-Kommission über den Haushalt des Landes bei. Zum anderen haben Unternehmen zuletzt bei den Erwartungen der Anleger kräftig auf die Bremse getreten. Am Dienstag tat das auch Covestro. Die Aktien des Kunststoffherstellers aus Leverkusen verloren im Dax 15,6 Prozent. Der ehemaligen Bayer-Tochter, die für Industriezweige von der Auto- bis zur Modebranche Werkstoffe herstellt, macht das Niedrig-Wasser im Rhein zu schaffen. Es sorgte für höhere Logistikkosten und Produktionsausfälle, so dass Covestro seine Prognosen kassierte.

“GIPFEL BEI WACHSTUM UND GEWINNEN ÜBERSCHRITTEN”

Für die Stimmung an den Weltbörsen entscheidender ist freilich der komplette Stimmungswechsel bei Apple. Die Aktien sind seit Wochen auf Talfahrt, nachdem der iPhone-Hersteller die Investoren warnte, ihre Erwartungen an den Umsatz im wichtigen Weihnachtsquartal seien zu hoch. Am Dienstag lagen sie bis zum europäischen Handelsschluss etwa vier Prozent im Minus. Sollte es dabei bis zum Schlussgong in New York bleiben, hätten die Aktien seit dem Rekordhoch vom 3. Oktober 20 Prozent oder rund 250 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt.

“Die Leute denken, dass das Wachstum seinen Höhepunkt erreicht hat und damit auch die Gewinne der Unternehmen ihren Gipfel gesehen haben”, fasste Analyst Michael Antonelli vom Brokerhaus Robert W. Baird die Stimmung der US-Anleger zusammen.

Die Zweifel am konjunkturellen Wachstum weltweit machten sich auch am Ölmarkt bemerkbar. Öl aus der Nordsee der Sorte Brent verbilligte sich um über fünf Prozent auf 63,36 Dollar je Barrel (159 Liter) und kostete damit so wenig wie zuletzt im März. Anleger wetten auf eine Überproduktion angesichts einer schwächelnden Nachfrage.

WIRECARD TROTZ GUTER PROGNOSEN AUF TALFAHRT

Im deutschen Handel machte der Kurseinbruch beim Dax-Aufsteiger Wirecard den Anlegern zusätzlich Kopfzerbrechen. Der Zahlungsabwickler rechnet für das nächste Jahr zwar weiter mit einem Gewinnplus. Doch reichte das vielen Anlegern nicht. Die Aktien fielen um fast sechs Prozent und zählten damit im Dax zu den Schlusslichtern.

Zu den Dax-Schlusslichtern zählten zudem die Papiere der Deutschen Bank, die um 4,8 Prozent auf 8,15 Euro fielen und damit so niedrig wie noch nie aus dem Handel gingen. Deutschlands größtes Geldhaus könnte womöglich tiefer als bisher gedacht in den Geldwäscheskandal der Danske Bank verwickelt sein.

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