May 28, 2019 / 5:45 AM / 3 months ago

Anleger-Freude über Europawahl weicht Ernüchterung

Bull and bear symbols for successful and bad trading are seen in front of the German stock exchange (Deutsche Boerse) in Frankfurt, Germany, February 12, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Die Angst vor einem neuen Haushaltsstreit zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission bereitet den Anlegern an Europas Aktienmärkten Bauchschmerzen.

Börsianern zufolge rückte am Dienstag dagegen die Erleichterung darüber in den Hintergrund, dass bei der Europawahl populistische Parteien keinen Erdrutsch-Sieg erzielten. Dax und EuroStoxx50 verloren daher jeweils ein halbes Prozent auf 12.008 beziehungsweise 3340 Punkte.

Italien droht wegen der steigenden Staatsverschuldung ein Strafverfahren der EU. Der italienische Vizeregierungschef Matteo Salvini kündigte nach dem Erfolg seiner rechtspopulistischen Lega bei der Europawahl an, mit “aller Kraft” gegen die EU-Haushaltsregeln zu kämpfen. “Wenn Italien seinen bereits ohnehin hohen Schuldenberg noch höher auftürmen will, ist entscheidend, dass das Geld zukunftsorientiert an den richtigen Stellen ausgegeben wird”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Italien muss Wachstum, Arbeitsplätze und Infrastruktur fördern.” Sollten die Anleger das Vertrauen in Italien verlieren, drohe eine “Schuldenkrise 2.0”.

Vor diesem Hintergrund gab der Leitindex der Mailänder Börse 1,2 Prozent nach. Die Verkäufe italienischer Bonds trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 2,731 Prozent. Einige Investoren schichteten ihr Geld in die als sicher geltenden Bundesanleihen um und drückten die Rendite der zehnjährigen Papiere auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von minus 0,160 Prozent.

DAUERBRENNER-THEMA HANDELSSTREIT

Außerdem machte der weiter ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China den Börsen zu schaffen. “Er bremst einerseits die Kauflaune potenzieller Investoren, sorgt andererseits aber auch nicht für Verkäufe in großem Stil, da sich die Fronten nach außen hin zumindest nicht weiter verhärten”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Einen weiteren Hoffnungsschimmer lieferten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, denen zufolge bis August ein Handelsabkommen mit Japan geschlossen werden könnte.

Am Devisenmarkt bröckelte das Pfund Sterling weiter ab und kostete 1,2668 Dollar. “Bis der nächste Premier gefunden ist, hängt das Vereinigte Königreich in Sachen Brexit in der Schwebe”, sagte Analyst Connor Campbell vom Brokerhaus Spreadex. Premierministerin Theresa May hatte für Anfang Juni ihren Rücktritt angekündigt. Als aussichtsreicher Kandidat für ihre Nachfolge gilt der Brexit-Hardliner und ehemalige Boris Johnson.

Stark gefragt waren Bergbaufirmen. Die Aktien von Anglo American, Antofagasta, BHP Billiton, Fresnillo, Glencore und Rio Tinto stiegen in London um bis zu 3,8 Prozent. Letztere markierten mit 4818,5 Pence ein Elf-Jahres-Hoch. Die Firmen profitierten Börsianern zufolge vom Rekordhoch des Eisenerz-Preises in China, dem größten Abnehmer dieses Rohstoffs. Dort kostete eine Tonne Eisenerz zeitweise 774,5 Yuan (112 Dollar) je Tonne.

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