July 28, 2020 / 5:28 AM / in 10 days

Virus-Sorgen und Gewinnmitnahmen belasten Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) - Die zunehmende Sorge vor einer zweiten Coronavirus-Welle hat am Dienstag europaweit die Aktienmärkte ausgebremst.

The skyline with its financial district is photographed during sunset in Frankfurt, Germany, April 22, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Dax schloss unverändert bei 12.835,28 Punkten. Der EuroStoxx50 legte 0,1 Prozent auf 3307,36 Zähler zu. “Angesichts der schwelenden Corona-Sorgen prägen nach wie vor Vorsicht und Zurückhaltung das Anlegerverhalten”, sagte Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. “Die Furcht vor einer zweiten oder sogar dritten Pandemie-Welle schlägt aufs Gemüt.” In den USA gaben die Kurse nach.

Für Verunsicherung sorgten die zuletzt wieder steigenden Neuinfektionen. “Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie”, sagte der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, mit Blick auf steigende Infektionszahlen im In- und Ausland. Ab kommender Woche soll eine Testpflicht für Urlaubs-Rückkehrer aus Risikogebieten gelten. Das Auswärtige Amt riet von Urlaubsreisen in beliebte Ferienregionen Nordspaniens ab. Auch andere Länder verschärften ihre Maßnahmen zum Schutz vor einer zweiten Infektionswelle.

Nach der Einführung einer Quarantänepflicht in Großbritannien für Urlaubsrückkehrer aus Spanien könnte die Maßnahme auf weitere Länder ausgedehnt werden, kündigte der britische Premierminister Boris Johnson an. Wie zuvor Frankreich verschärften auch die Behörden in Griechenland die Maskenpflicht. “Das Coronavirus hat die internationalen Finanzmärkte wieder heimgesucht”, sagte Analyst Christian Henke von IG Markets. “Die neue Welle könnte auch die Erholung der deutschen Wirtschaft abwürgen”, warnten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg.

FED IM FOKUS

Für Rückenwind sorgte Bewegung in der US-Debatte über ein neues billionenschweres Hilfspaket. Zudem werden von der Fed positive Impulse erwartet. “Neben einer weiteren Konjunkturspritze dürfte sich auch die US-Notenbank entschlossen zeigen, die Wirtschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten maximal zu stützen”, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Die Fed entscheidet am Mittwoch über ihren weiteren Kurs.

Die bestehenden Unsicherheiten ließen den Goldpreis weiter anziehen. Für kurze Zeit sprintete der Preis für das Edelmetall auf bis zu 1980,57 Dollar je Feinunze heran, bevor Gewinnmitnahmen das Knacken der 2000-Dollar-Grenze verhinderten. Die Nachfrage nach Gold sei nicht nur wegen der konjunkturellen Probleme und der steigenden Verschuldung der Staaten gestiegen, sondern auch aufgrund des Vertrauensverlusts in den US-Dollar, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl von Handelshaus CMC Markets. “Die US-Währung erlebt gerade ihren schlechtesten Monat seit über einem Jahrzehnt und verliert massiv an Wert, was das Gold beflügelt und dem Silber hilft.”

Bei den Einzelwerten glänzte vor allem die französische Opel-Mutter PSA. Trotz des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise konnte der Peugeot-Hersteller im ersten Halbjahr den Absturz in die roten Zahlen vermeiden. Nach der Bestätigung der Renditeziele zogen PSA-Aktien in der Spitze 5,6 Prozent an und gingen noch 3,1 Prozent fester aus dem Handel.

Ein Kursplus von 8,3 Prozent fuhr die italienische Bank UBI ein, nachdem die Aktionärsvereinigung CAR ihren erbitterten Widerstand gegen die Übernahmeofferte der italienische Großbank Intesa aufgegeben hat und nun Intesa ihren 19-prozentigen Anteil andienen will. Durch die Fusion der beiden italienischen Geldhäuser entstünde die siebtgrößte Bank der Euro-Zone.

Nach Anhebung der Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr legten Pfizer-Aktien 3,4 Prozent zu. Hoffnung setzten Anleger insbesondere in einen Corona-Impfstoffkandidaten, den der US-Pharmakonzern mit der Mainzer Biotech-Firma BioNTech entwickelt.

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