November 26, 2017 / 11:28 AM / 22 days ago

VORSCHAU-Berliner Hängepartie macht Dax das Leben schwer

Frankfurt (Reuters) - Das Gerangel um die Bildung einer neuen Bundesregierung wird dem Dax Experten zufolge den Sprung auf neue Rekordhöhen erschweren.

The German share price index, DAX board, is seen at the stock exchange in Frankfurt, Germany, November 24, 2017. REUTERS/Staff/Remote

“Deutschland braucht trotz der guten wirtschaftlichen Lage dringend eine handlungsfähige Regierung”, sagte Felix Herrmann, Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Schließlich müssten unter anderem Antworten auf den demografischen und technologischen Wandel gefunden werden.

Auch Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel, mahnte zur Vorsicht. “Die Stabilität, für die Deutschland steht, hat seit der Bundestagswahl gelitten. Mögliche Neuwahlen tragen nicht zu einer kurzfristigen Stabilisierung bei, sondern verlängern die Unsicherheit an den Börsen.” Allerdings können Anleger auf Bewegung in der Hängepartie um eine Regierungsbildung nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche hoffen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will die Chancen für eine große Koalition ausloten und sich in der neuen Woche mit den Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD zu einem gemeinsamen Gespräch treffen.

Unabhängig davon seien größere Kursrückschläge an den Börsen ohnehin nicht zu erwarten, betonte Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. “Historisch betrachtet legten Europas Aktienmärkte zwischen Thanksgiving und Weihnachten in drei von vier Jahren zu. Zusammen mit dem überzeugenden Konjunkturbild spricht dies durchaus noch für eine Jahresendrally in Richtung der alten Hochs von Dax & Co.” Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg verwies darauf, dass der Optimismus der Investoren ungebrochen sei. Die Stimmung der Privatanleger sei so gut wie noch nie in diesem Jahr. In der abgelaufenen Woche legte der Dax ein halbes Prozent zu. Sein Plus seit Jahresbeginn summiert sich damit auf rund 14 Prozent. Im selben Zeitraum legte das US-Börsenbarometer S&P 500 16 Prozent zu.

Zusätzliche Impulse könnten von der geplanten US-Steuerreform ausgehen, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Nach den Thanksgiving-Ferien wird sich der Senat hiermit befassen. Allerdings liegen Senat und Repräsentantenhaus mit ihren Vorschlägen noch weit auseinander, so dass es noch unklar ist, ob tatsächlich bis Weihnachten – wie von US-Präsident Donald Trump gewünscht – ein unterschriftsreifer Gesetzesentwurf ausgearbeitet werden kann.”

ZAHLREICHE KONJUNKTURDATEN AUF DEM TERMINPLAN

Daneben hält eine Reihe von Konjunkturdaten die Anleger in der neuen Woche auf Trab. Besonderes Augenmerk liegt auf den Inflationszahlen aus Deutschland (Mittwoch) und der Euro-Zone (Donnerstag). “Im November dürfte die Kernteuerungsrate im Euroraum zwar leicht auf ein Prozent gestiegen sein, damit aber weiter deutlich unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent liegen”, prognostizierte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Auf dem Terminplan stehen außerdem die Daten zum europäischen Geschäftsklima und zum Wirtschaftsvertrauen (jeweils Mittwoch). Am Dienstag gibt der GfK-Index Hinweise auf die Kauflaune der deutschen Verbraucher.

Das Highlight in den USA sind die Zahlen zu Einkommen und Konsumausgaben am Donnerstag. Die Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Daneben veröffentlicht die US-Notenbank (Fed) am Mittwoch ihren Konjunkturbericht. Mit Spannung warten Börsianer zudem auf die Anhörung des designierten Fed-Chefs Jerome Powell vor einem Ausschuss des US-Senats am Dienstag. Sie erhoffen sich Hinweise auf die weitere US-Geldpolitik.

Am selben Tag beraten wichtige Rohöl-Exportländer über eine Verlängerung der Förderbremse, mit der das weltweite Überangebot eingedämmt werden soll. Da für die Entscheidungsfindung laut Tagesordnung nur drei Stunden eingeplant sind, rechnen Experten mit einer Verlängerung. Unter anderem wegen der Spekulationen hierauf hat sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee in den vergangenen Tagen um etwa eineinhalb auf etwa 63,60 Dollar je Barrel (159 Liter) verteuert.

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