April 19, 2018 / 1:11 PM / a month ago

Inflationssorgen lasten auf Börsen - Firmenbilanzen stützen

Frankfurt (Reuters) - Aus Furcht vor einer anziehenden Inflation und einer strafferen Geldpolitik der Notenbanken ziehen sich einige Anleger aus den Aktienmärkten zurück.

Traders work on the floor of the New York Stock Exchange, (NYSE) in New York, U.S., April 16, 2018. REUTERS/Brendan McDermid

Ermutigende Geschäftszahlen großer Konzerne verhinderten allerdings stärkere Kursverluste. Dax und EuroStoxx50 verloren am Donnerstag jeweils etwa 0,2 Prozent auf 12.567,42 und 3487,10 Punkte. An der Wall Street büßten die Indizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 bis zu 0,8 Prozent ein.

Genährt wurden die Inflationsängste vom Anstieg des Ölpreises auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch. Die Sorten Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA verteuerten sich um jeweils mehr als ein Prozent auf 74,75 und 69,56 Dollar je Barrel (159 Liter). Einem exklusiven Reuters-Bericht zufolge strebt Saudi-Arabien einen Ölpreis von 80 bis 100 Dollar an. “Wenn er sich in Richtung 80 Dollar bewegt und der Euro noch etwas nachgibt, könnte Inflationsdruck aufkommen”, sagte Elwin de Groot, Chef-Anlagestratege der Rabobank. “Das hat üblicherweise einen negativen Effekt auf die Konsumausgaben, vor allem vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen.” Der Euro bröckelte am Donnerstag auf 1,2339 Dollar ab.

Parallel dazu verteuerte sich Nickel um bis zu 9,3 Prozent und steuerte auf den größten Tagesgewinn seit 2009 zu. Mit 16.690 Dollar je Tonne war das zur Stahl-Herstellung benötigte Metall zeitweise so teuer wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Auslöser der Rally waren Spekulationen, dass die US-Sanktionen gegen russische Firmen auf Nornickel, den weltweit zweitgrößten Förderer des Metalls, ausgeweitet werden. Die USA könnten sich dies allerdings nicht erlauben, weil sie auf die Palladium-Lieferungen des Konzerns angewiesen seien, sagte Analyst Carsten Menke vom Bankhaus Julius Bär. Palladium wird unter anderem zur Produktion von Auto-Katalysatoren eingesetzt.

Aluminium war mit 2718 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor sieben Jahren. Damit summiert sich das Plus der vergangenen beiden Wochen auf etwa 36 Prozent. Wegen der US-Sanktionen gegen Russland droht die weltweit zweitgrößte Aluminiumhütte Rusal als Lieferant auszufallen.

WERBEAGENTUR PUBLICIS ÜBERZEUGT MIT ZAHLEN

Bei den Unternehmen stand unter anderem Publicis im Rampenlicht. Dank eines überraschend starken Umsatzwachstums gewannen die Aktien der Werbefirma in Paris bis zu 8,7 Prozent - so viel wie zuletzt vor neun Jahren. Gemeinsam mit den Zahlen des US-Konkurrenten Omnicom hebe dieses Ergebnis die Branchenstimmung, schrieben die Analysten der Investmentbank Liberum in einem Kommentar. Die Titel des Publicis-Rivalen WPP stiegen in London um 3,6 Prozent. Omnicom gewannen an der Wall Street 0,7 Prozent.

Mit einem Kursplus von bis zu zwölf Prozent setzten sich Shire an die Spitze des Londoner FTSE-Index. Der japanische Konkurrent Takeda will 46,50 Pfund je Aktie oder umgerechnet 49 Milliarden Euro für den Pharmakonzern bezahlen. Shire habe die Offerte allerdings zurückgewiesen. Der US-Konzern Allergan erwägt ein Gegengebot. Shire-Titel stiegen zeitweise auf 42 Pfund und schlossen 5,9 Prozent im Plus bei 39,7 Pfund. Allergan büßten an der Wall Street 5,4 Prozent ein.

Die in den USA notierten Papiere von TSMC rutschten sogar um 6,6 Prozent ab. Der weltgrößte Auftragsfertiger von Computerchips rechnet unter anderem wegen einer schwächelnden Smartphone-Nachfrage für 2018 mit einem Umsatzplus am unteren Ende der bisher angepeilten Spanne von zehn bis 15 Prozent. Die Aktien des iPhone-Machers Apple fielen daraufhin um 2,2 Prozent. Andere Chip-Firmen wie Intel oder AMD büßten bis zu 3,3 Prozent ein. In Deutschland gaben Infineon 2,1 Prozent und der Chip-Designer Dialog Semiconductor vier Prozent nach.

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