October 23, 2019 / 8:58 AM / in 21 days

Wall Street schiebt Europas Börsen an - Brexit verunsichert

Frankfurt (Reuters) - Ermuntert von einer freundlichen Wall Street haben Europas Anleger am Mittwoch bei Aktien zugegriffen.

The German share price index DAX board is reflected in a glass at the stock exchange in Frankfurt, Germany, December 8, 2016. REUTERS/Ralph Orlowski

Das Brexit-Drama und schwache Firmenbilanzen zehrten allerdings an den Nerven. Der Dax gewann 0,3 Prozent auf 12.798,19 Punkte. Der EuroStoxx50 stieg um 0,1 Prozent auf 3606,89 Punkte.

Nach der jüngsten Wende im Ringen um den EU-Ausstieg Großbritanniens stellen sich die Investoren zunehmend auf eine erneute Verschiebung ein. Nach dem Nein des Parlaments in London zu seinem ehrgeizigen Zeitplan zog Premierminister Boris Johnson seinen Gesetzesentwurf für den Austritt am 31. Oktober zurück. “Der Brexit-Ball liegt nun wieder bei der EU, welche über die genaue Ausgestaltung der bereits beantragten Verlängerung entscheiden muss”, sagte BayernLB-Analyst Manuel Andersch. Nach Ansicht von DailyFX-Stratege Davis Iusow dürfte die Kommission sich für eine Verlängerung von drei Monaten entscheiden. Marktteilnehmern zufolge sorgten Spekulationen auf Neuwahlen in Großbritannien ebenfalls für Unsicherheit.

Viele Pfund-Anleger, die in den vergangenen Wochen vermehrt auf einen geregelten Brexit gesetzt hatten, zogen sich am Mittwoch zurück. Die britische Devise stagnierte bei 1,2885 Dollar. Viele Optimisten müssten sich eingestehen, dass die Hoffnungen auf ein Happy End in der kommenden Woche nun begraben werden müssten, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Anleger griffen vermehrt zur “Antikrisen-Währung” Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1492 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

TRÜBE STIMMUNG IM TECHNOLOGIESEKTOR

Technologiewerte gerieten nach enttäuschenden Zahlen von Texas Instruments unter Druck. Für das laufende Quartal warnte der US-Chiphersteller vor einem Ergebnis deutlich unter Markterwartungen. Das komme zwar nicht völlig überraschend, belaste aber die Stimmung im gesamten Sektor, sagte ein Börsianer. Der europäische Branchenindex verlor ein halbes Prozent. Infineon und STMicro büßten bis zu 2,8 Prozent ein. Die Titel von Texas Instruments lagen in New York 6,5 Prozent im Minus.

Aktien von Carl Zeiss Meditec brachen um 8,8 Prozent ein. Der Medizintechnikkonzern erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 eine niedrigere operative Umsatzrendite als noch vor kurzem angekündigt.

Lange Gesichter gab es auch bei den Bierbrauern. Der Weltmarktzweite Heineken engte seine Gewinnprognose auf den unteren Rand der angepeilten Spanne ein. Die Aktien verloren in Amsterdam 2,9 Prozent. Die Papiere der Konkurrenten Anheuser-Busch und Carlsberg gaben bis zu 1,6 Prozent nach.

PEUGEOT GEBEN GAS - BITCOIN SCHMIERT AB

An der Börse in Paris kletterten die Aktien von Peugeot um 3,2 Prozent und waren damit so teuer wie seit sechs Monaten nicht mehr. Der französische Autobauer trotzte dank gesunkener Kosten und dem Verkauf profitabler Stadtgeländewagen der Autokrise und steigerte den Umsatz im dritten Quartal. Titel anderer Autobauer wie Daimler, VW legten bis zu 1,5 Prozent zu.

Einen Kursrutsch gab es bei Bitcoin: die älteste und wichtigste Cyber-Devise verbilligte sich um mehr als sieben Prozent auf 7412 Dollar. Das war der tiefste Stand seit Mai. Es sei schwer, fundamentale Gründe auszumachen, sagte Experte Neil Wilson von Markets.Com. Natürlich könne man leicht einen Zusammenhang mit der Anhörung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress über seine Pläne für die Digitalwährung “Libra” herstellen. “Eine solche Schlussfolgerung erscheint jedoch recht dürftig”, sagte Wilson. Wahrscheinlicher seien charttechnische Gründe.

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