February 12, 2020 / 11:38 AM / 5 days ago

Europas Börsen auf Rekordkurs - Angst vor Virus schwindet

Frankfurt (Reuters) - Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturerholung nach dem Dämpfer durch das Coronavirus ermuntern immer mehr Anleger zum Einstieg in den Aktienmarkt.

A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt, Germany December 29, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

“Die Krankheit wird nur als temporäre Verzögerung einer globalen wirtschaftlichen Erholung gesehen”, sagte Adolf Rosenstock, volkswirtschaftlicher Berater des Vermögensverwalters MainSky.

Der Dax markierte am Mittwoch mit 13.758,70 Punkten den zweiten Tag in Folge ein Rekordhoch und schloss 0,9 Prozent im Plus bei 13.749,78 Zählern. Das Gleiche galt für den breit gefassten europäischen Index Stoxx600 der zeitweise 431,13 Zähler erreichte. Der EuroStoxx50 kletterte auf ein Zwölf-Jahres-Hoch von 3853,40 Stellen und notierte am Abend 0,7 Prozent fester bei 3851,32 Punkten.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones erreichte mit 29.535,98 Zählern ebenfalls eine neue Bestmarke. Vor allem bei Autobauern und deren Zulieferern, die stark vom China-Geschäft abhängen, griffen Anleger zu. Der europäische Branchenindex rückte 3,8 Prozent vor. Das ist der größte Tagesgewinn seit etwa einem Jahr.

WENIGER NEUINFEKTIONEN - GELDSPRITZEN ERWARTET

Genährt werde der Optimismus von der sinkenden Zahlen der Neuinfektionen in China, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Investoren gingen nun davon aus, dass die Beeinträchtigung der Wirtschaft durch den Erreger auf das erste Quartal begrenzt bleibe. Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, mahnte allerdings zur Besonnenheit. “Es hat sich die Art und Weise geändert, wie die Fälle erfasst werden, so dass wir vorsichtig sein sollten, die chinesischen Behauptungen für bare Münze zu nehmen.”

Aber selbst bei wieder steigenden Infektionsraten gebe es gute Gründe für eine Fortsetzung der Aktienrally, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Sollte sich die Konjunktur deutlich abschwächen, könne mit einer weiteren deutlichen Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbanken gerechnet werden.

EUR-SCHWÄCHE HILFT AKTIEN ZUSÄTZLICH - ÖLPREIS STEIGT

Zusätzlichen Schub erhielten die heimischen Aktienmärkte vom schwachen Euro, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Macht er deutsche Produkte im Ausland doch billiger und damit attraktiver.” Die Gemeinschaftswährung fiel am Mittwoch auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 1,0884 Euro.

Auch am Rohölmarkt waren die Konjunkturoptimisten in der Überzahl. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 3,1 Prozent auf 55,70 Dollar je Barrel (159 Liter). Entscheidend für die weitere Entwicklung sei allerdings, ob Russland der von der Opec vorgeschlagenen Verschärfung der Förderbremse zustimme, sagten Börsianer.

JENOPTIK NACH ZAHLEN IM AUFWIND - LYFT AUF TALFAHRT

Am deutschen Aktienmarkt gehörte Jenoptik mit einem Kursplus von 6,1 Prozent zu den Favoriten. Der Technologiekonzern habe mit seinen Zahlen für 2019 die Erwartungen erfüllt, urteilte Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Helvea Bank. Angesichts des soliden Auftragseingangs seien die Aussichten für 2020 positiv.

Die Titel von Lyft rutschten dagegen an der Wall Street um bis zu zehn Prozent ab, obwohl die Erlöse die Prognosen übertrafen. Investoren hätten offenbar gehofft, dass der Fahrdienst-Vermittler ähnlich wie Rivale Uber einen vorzeitigen Sprung in die Gewinnzone in Aussicht stellt, konstatierte Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies.

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