February 13, 2020 / 11:05 AM / 4 days ago

Coronavirus hat Börsen wieder im Griff

Frankfurt (Reuters) - Der drastische Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat Anleger am Donnerstag aufgeschreckt.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Einige gingen am Donnerstag auf Nummer sicher und nahmen nach der jüngsten Rekordjagd Gewinne mit. Der Dax schloss knapp im Minus bei 13.745,43 Punkten und der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 3840,90 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,3 Prozent ein.

Die chinesische Regierung meldete für Mittwoch fast 15.000 Neuinfektionen mit dem Erreger COVID-19, knapp zehn Mal so viele wie am Tag zuvor. “Allerdings sei der sprunghafte Anstieg in erster Linie auf eine Überarbeitung der bisherigen Diagnoseergebnisse zurückzuführen”, sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer. “Nichtsdestotrotz befürchten nun viele Marktteilnehmer, dass man das Thema zu früh abgehakt hat und die makroökonomischen Auswirkungen der Krankheit doch stärker sein könnten als bisher vermutet.”

ÖL UND KUPFER BILLIGER - “SICHERE HÄFEN” GEFRAGT

Am Rohstoffmarkt setze sich allerdings die Einschätzung durch, dass neuen Infektionszahlen kein Anzeichen einer beschleunigten Ausbreitung seien, sagte Analyst Kieran Clancy vom Research-Haus Capital Economics. Nach anfänglichen Kursverlusten verteuerte sich das wichtige Industriemetall Kupfer um 0,5 Prozent auf 5790 Dollar je Tonne. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee drehte ebenfalls ins Plus und stieg um 0,5 Prozent auf 56,05 Dollar je Barrel (159 Liter).

Dennoch flüchteten einige Anleger in “sichere Häfen”. Die “Antikrisen-Währung” Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1575,81 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Nachfrage nach den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf minus 0,414 Prozent. Am Devisenmarkt kletterte die Schweizer Währung auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch zum Euro. Dies bringe die Schweizer Nationalbank SNB in die Bredouille, warnte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. “Spekulanten dürften zunehmend Blut lecken und dazu verführt sein, den Willen der SNB zu testen, eine weitere Franken-Stärke zu begrenzen.”

Auch mit Pfund Sterling deckten sich Investoren ein. Es stieg in der Spitze auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,2053 Euro. Der überraschende Rücktritt des britischen Finanzministers Sajid Javid schüre Spekulationen auf höhere Staatsausgaben, sagte Rabobank-Anlagestrategin Jane Foley. Dadurch wäre eine Zinssenkung der Bank von England (BoE) zur Ankurbelung der Konjunktur weniger dringlich.

COMMERZBANK IM PLUS - BARCLAYS BANK UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt stand die Commerzbank im Rampenlicht. Das Quartalsergebnis sei besser ausgefallen als erwartet, schrieb Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies. “Wenn man über die Abschreibungen und Einmaleffekte hinwegblickt, sieht es solide aus mit einer guten Kapitalposition.” Commerzbank-Titel stiegen um 8,9 Prozent auf 6,43 Euro. Das ist der größte Tagesgewinn seit fast drei Jahren. In ihrem Windschatten notierten die Papiere der Deutschen Bank mit 10,25 Euro zeitweise so hoch wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Bei der Barclays Bank überschatteten Ermittlungen gegen den Chef Jes Staley wegen dessen Verbindungen zum verstorbenen US-Banker und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein die Geschäftszahlen des Geldhauses, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Der Vorsteuergewinn habe die Erwartungen übertroffen. Die Barclays-Aktien verloren dennoch 1,6 Prozent.

An der Wall Street rutschten die Titel von Cisco nach Zahlen um 5,6 Prozent ab. Der Netzwerk-Ausrüster warnte vor einer anhaltenden Investitionszurückhaltung seiner Kunden. Grundsätzlich sei das Geschäft aber unverändert solide, urteilte Analyst George Notter von der Investmentbank Jefferies.

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