March 6, 2020 / 3:49 PM / a month ago

Virus schürt Rezessionsangst an den Börsen - "Nerven liegen blank"

Frankfurt (Reuters) - Die Angst vor einem weltweiten Konjunkturabschwung wegen der Coronavirus-Epidemie hat die Börsen am Freitag erneut beben lassen.

A person wearing a face mask walks along Wall Street after further cases of coronavirus were confirmed in New York City, New York, U.S., March 6, 2020. REUTERS/Andrew Kelly

“Die Nerven bei den Anlegern liegen blank”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC. Während die Aktienmärkte weiter abwärts rauschten, flüchteten sich Anleger in den “sicheren Hafen” Bundesanleihen. Das drückte die Rendite der zehnjährigen Titel um sieben Basispunkte auf ein Rekordtief von minus 0,746 Prozent. Damit unterschritt sie den bisherigen Tiefstwert von minus 0,743 Prozent vom vergangenen September, als der Brexit und der Zollstreit zwischen den USA und China Investoren verunsichert hatte. Auch die Rendite der zehnjährigen US-Bonds fiel zum zehnten Mal in elf Tagen auf ein Rekordtief.

Die Panik halte die Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks immer stärker in Atem, sagte Anleihe-Experte Elmar Völker von der LBBW. “Die Anleger ‘hamstern’ in dieser Situation alles, was Sicherheit im Falle einer sich weiter verschärfenden Krise verspricht.”

An den Aktienmärkten rutschte der Dax am Freitag um 3,4 Prozent auf 11.541,87 Punkte nach unten. Der EuroStoxx50 verlor ähnlich stark. An der Wall Street gingen die Indizes ebenfalls in die Knie, obwohl die US-Wirtschaft im Februar deutlich mehr Stellen schuf als erwartet.

Zwar machten die angekündigten finanziellen Hilfsmaßnahmen deutlich, wie ernst Notenbanken und Regierungen die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie einschätzten, sagte Stanzl. “Ob sie allerdings ausreichen werden, eine Rezession in wichtigen Teilen der Welt zu verhindern, ist fraglich.”

“ABWÄRTSSPIRALE DROHT”

Das Risiko einer kurzen, drastischen Rezession steige erheblich, warnte auch Nigel Green, Chef des Anlageberaters deVere. Dabei drohe eine Abwärtsspirale aus geringeren Konsumausgaben und Investitionen, die Stellenstreichungen auslösten, die wiederum zu geringeren Konsumausgaben und Investitionen führten. Die Rezessionsangst spiegelte sich auch am Rohölmarkt wider, wo der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 9,4 Prozent auf 45,28 Dollar je Barrel (159 Liter) auf den tiefsten Stand seit Juni 2017 einbrach. Russland hat Insidern zufolge die angedachten Produktionskürzungen der Ölförderländer blockiert. Die Opec-Staaten wollten zusätzliche Förderkürzungen von 1,5 Millionen Fässern pro Tag, um den Preis des Rohstoffs zu stabilisieren.

Am Aktienmarkt flogen wegen Reisebeschränkungen und stornierter Urlaube erneut Papiere von Luftfahrt- und Touristik-Werten aus den Depots. Der europäische Branchenindex fiel bis auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief, grenzte seine Verluste dann aber auf minus 2,2 Prozent ein. In London verloren die Aktien von Carnival 7,8 Prozent, nachdem einem seiner Kreuzfahrtschiffe wegen Corona-Verdachts die Einfahrt in den Hafen von San Francisco verweigert wurde. Liquiditätssorgen ließen die Aktien des Billigfliegers Norwegian um 22,8 Prozent absacken.

Drohende Einnahme-Einbußen durch fallende Anleihe-Renditen versetzten Bankenaktien einen erneuten Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 3,2 Prozent.

Der Dollar stand wegen Spekulationen auf weitere US-Zinssenkungen unter Druck. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf ein Dreizehn-Monats-Tief von 95,7110 Punkten.

Gold stieg bis auf ein Sieben-Jahres-Hoch, bröckelte dann aber auf 1663 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ab und lag leicht im Minus.

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