March 18, 2020 / 2:14 PM / 11 days ago

Virus-geschwächte Börsen taumeln weiter abwärts

Frankfurt (Reuters) - Wegen Zweifeln an der Wirksamkeit der billionenschweren Hilfen für die Weltwirtschaft fliehen weitere Anleger aus den Aktienmärkten.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Derzeit dominiere die Furcht, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in eine Rezession führen, sagte Michael James, Chef des Aktienhandels bei der Investmentbank Wedbush. “Das drängt alles andere in den Hintergrund.”

Dax und EuroStoxx50 rutschten am Mittwoch um jeweils etwa fünfeinhalb Prozent auf 8441,71 und 2385,82 Punkte ab. Für Ersteren ist dies der niedrigste Schlusskurs seit sechseinhalb Jahren, für Letzteren seit fast acht Jahren. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel um knapp acht Prozent auf 19.576,75 Zähler, den niedrigsten Stand seit fast dreieinhalb Jahren.

VIRUS-KRISE UND PREISKRIEG SETZEN ROHÖL ERNEUT ZU

Am Rohölmarkt ging es noch steiler bergab, da es im Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland keine Annäherung gibt. Der Kurs der US-Sorte WTI fiel um gut 18 Prozent auf ein 18-Jahres-Tief von 22,04 Dollar je Barrel (159 Liter). Sollten sich die Streithähne nicht zusammenraufen, drohten weitere Verluste, warnte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Immerhin könnte dies die Kontrahenten wieder an den Verhandlungstisch bringen, schrieben die Analysten der ING-Bank.

Vor diesem Hintergrund fiel der Index für die europäische Öl- und Gasbranche auf ein 24-Jahres-Tief. Ein anhaltend niedriger Ölpreis stelle die Dividenden von BP, Shell & Co. infrage, warnte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

“SICHERE HÄFEN” ANLEIHEN UND GOLD UNTER DRUCK

Die in Krisenzeiten üblicherweise als “sichere Anlagehäfen” angesteuerten Edelmetalle und Staatsanleihen konnten erneut nicht von der allgemeinen Verunsicherung profitieren. Gold verbilligte sich um 2,8 Prozent auf 1486,09 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Viele Anleger trennten sich von dem Edelmetall, weil sie allein auf Bargeld vertrauten oder Verluste in anderen Bereichen ausgleichen müssten, sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades.

Anleihen litten unter der Aussicht auf eine Flut von Neuemissionen, weil Staaten für die planten Konjunkturprogramme neue Schulden machen müssen. Vor diesem Hintergrund plädiert Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, dessen Land in Europa am heftigsten von der Coronavirus-Krise betroffen ist, Regierungskreisen zufolge für spezielle “Coronavirus-Bonds” oder einen europäischen Garantiefonds der Staatengemeinschaft.

“KING KONG DOLLAR” IM AUFWIND - AIRBUS & CO. IM SINKFLUG

Am Devisenmarkt flüchteten sich Investoren in die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg auf ein Drei-Jahres-Hoch von 101,714 Punkte. Offenbar befürchten Anleger, dass die konzertierte Aktion mehrerer Notenbanken, Banken und Unternehmen weltweit günstige Dollar-Kredite zur Verfügung zu stellen, nicht ausreichten, sagten Börsianer.

Im Gegenzug war das Pfund Sterling mit 1,1459 Dollar wieder so billig wie 1985. Neben der Flucht in die Weltleitwährung leide die britische Valuta unter dem umgerechnet 357 Milliarden Euro schwere Coronavirus-Hilfspaket der Regierung, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Dieses werde schließlich durch neue Schulden finanziert. Außerdem dürften die Unwägbarkeiten rund um den Brexit nicht vergessen werden. Bis zum Jahresende muss sich Großbritannien mit der EU auf ein Handelsabkommen einigen, sonst droht die Einführung von Zöllen.

Der am Dienstagabend verhängte Einreisestopp der Europäischen Union schickte Luftfahrtwerte auf Talfahrt. Die Aktien des Flugzeugbauers Airbus brachen in Paris um gut 22 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit 14 Jahren. Erzrivale Boeing verlor an der Wall Street ähnlich stark. In Toronto rutschten die Titel des “Learjet”-Anbieters Bombardier sogar um etwa 28 Prozent auf ein 32-Jahres-Tief von 0,43 kanadischen Dollar ab. Die Experten der Investmentbank JP Morgan rechnen damit, dass es Jahre dauern wird, bis sich die Branche von dem Corona-Schock erholt.

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