March 19, 2020 / 11:05 AM / 17 days ago

Aktienmarkt trotz EZB-Programm weiter unter Druck - Anleger hamstern Dollar

Frankfurt (Reuters) - Die EZB kann mit ihrem 750 Milliarden Euro schweren Kaufprogramm die Aktienmärkte nach dem jüngsten Ausverkauf nicht beruhigen.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Dax lag am Donnerstagvormittag 0,9 Prozent tiefer bei 8365 Punkte, der EuroStoxx50 notierte 0,2 Prozent tiefer bei 2380 Zählern. “Die Hilfsprogramme der Notenbanken interpretiert der Markt derzeit als Verzweiflungstat”, sagte Timo Emden, Marktanalyst vom gleichnamigen Analysehaus. “Für die Börsen ist klar, dass die Währungshüter und Staaten derzeit kein Ass im Ärmel haben. Angesichts der nicht absehbaren Folgen des Coronavirus für die Weltwirtschaft dürfte die Furcht vor weiteren Kurseinbrüchen bestehen bleiben.”

Die Europäische Zentralbank springt Unternehmen und Staaten mit umfassenden Anleihekäufen bei. Das Notfallprogramm soll bis Jahresende laufen. “Es gibt keine Grenzen für unser Engagement für den Euro”, twitterte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Auch Unternehmensanleihen und Papiere der hoch verschuldeten Eurostaaten werden gekauft. Das half den griechischen Bonds, deren Rendite zeitweise auf 2,02 Prozent sank. Auch die Renditen für Portugal, Spanien und Italien gaben deutlich nach.

Die Bundesregierung legt ebenfalls milliardenschwere Programme auf, um so viele Insolvenzen wie möglich zu verhindern. Dafür kann sie nach eigener Auffassung unbegrenzt Schulden machen. Die Wirtschaft leidet derzeit unter der Vollbremsung, der Ifo-Index brach ein und fiel auf den tiefsten Stand seit März 2009. “Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession”, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest. Das Institut für Weltwirtschaft (IFW) rechnet mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland zwischen 4,5 und neun Prozent - in der Finanzkrise 2009 war es ein Minus von 5,7 Prozent.

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession ließ Anleger bei Industriemetallen die Reißleine ziehen. Der Kupferpreis brach in der Spitze um 7,9 Prozent auf 4371 Dollar je Tonne ein. Damit ist das als Barometer für die Weltkonjunktur geltende Industriemetall so billig wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr und hat auf Wochensicht rund 18 Prozent an Wert verloren. Guy Wolf, Chefanalyst beim Rohstoff-Brokerhaus Marex Spectron, beschreibt die Situation als “Massenpanik”. “In diesem Umfeld sind die Preise wo sie sind, weil jemand verkauft und verkaufen muss - sie haben keine Wahl.”

Zugleich suchten Investoren weltweit ihr Heil im Dollar. Der Greenback stieg zu einem Währungskorb um 0,5 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. “Jeder hamstert jetzt Dollar, genauso wie sich viele Leute weltweit mit Klopapier eindecken”, sagte Masayuki Murata, Portfoliomanager bei der Versicherungsgesellschaft Sumitomo Life. “Die Maßnahmen der Zentralbanken werden langfristig helfen. Aber derzeit rückt keiner Dollar heraus. Wenn über Bank-Ferien und die Schließung von Börsen gesprochen wird, werden die Leute versuchen, mehr Bares in der Hand zu haben als üblicherweise.” Der Euro geriet entsprechend unter Druck und kostete mit 1,0798 Dollar 1,1 Prozent weniger.

Das Pfund rutschte sogar um 1,2 Prozent ab auf 1,1471 Dollar. Es notiert damit zum Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 35 Jahren. “Das Pfund kollabiert schlichtweg”, sagte Carlo Alberto De Casa, Chefanalyst beim Brokerhaus ActivTrades. Die Kehrtwende der Regierung von Boris Johnson bei der Bekämpfung des Virus habe einen neuerlichen Ausverkauf ausgelöst. “Am Markt wird inzwischen mit einer Ausgangssperre gerechnet.”

LIEFERDIENSTE GEFRAGT

Die Einstellung des Reiseverkehrs macht der Lufthansa schwer zu schaffen, Firmenchef Carsten Spohr rechnet damit, dass das Unternehmen bei einem längeren andauern der Krise Staatshilfe in Anspruch nehmen muss. In den vergangenen Wochen fuhr das Unternehmen bereits die Kapazitäten herunter. Luftfahrt-Analyst Daniel Röska von Bernstein Research lobte angesichts der Einsparungen Spohrs Krisenmanagement: “Dies sollte den Investoren die Gewissheit geben, dass das Management die Entwicklungen voll im Griff hat.” Die Aktien legten 5,7 Prozent zu und waren damit Spitzenreiter im Dax.

Aktien von Lieferdiensten und Einzelhandel profitierten weiterhin von Stubenhocken und Hamsterkäufen. Neben Hellofresh mit einem Plus von gut zehn Prozent gilt das auch für Metro, die mehr als 15 Prozent zulegen. Auch Shop Apotheke-Titel gewinnen 8,7 Prozent. Für Zooplus geht es bis zu 24 Prozent aufwärts.

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