March 25, 2020 / 11:11 AM / 11 days ago

Börsen trotz Corona-Hilfspaketen auf Achterbahnfahrt

Frankfurt (Reuters) - Die weltweiten Konjunkturpakete lindern die Furcht der Anleger vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Völlig vertreiben konnten sie die Nervosität jedoch nicht.

Bull and bear symbols for successful and bad trading are seen in front of the German stock exchange (Deutsche Boerse) in Frankfurt, Germany, February 12, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Dax schloss am Mittwoch nach einer Achterbahnfahrt 1,8 Prozent im Plus bei 9874,26 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann bis zum Abend 2,5 Prozent auf 2782,47 Zähler. Gleichzeitig zogen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, wieder an. An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones 4,6 Prozent zu, nachdem er am Dienstag mit einem Plus von gut elf Prozent den größten Tagesgewinn seit 1933 verbucht hatte.

In den USA einigten sich Regierung und Kongress nach zähem Ringen auf ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfsprogramm, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufedern. Der Bundestag brachte ein 750 Milliarden Euro schweres Paket auf den Weg. Zuvor hatten bereits zahlreiche Notenbanken die Geldhähne voll aufgedreht. “Das ist aber nur Schadensbegrenzung”, sagte Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman. “Es wird die Wirtschaft vorerst nicht ankurbeln, weil das öffentliche Leben immer noch beschränkt ist.” Selbst bei einer Erholung im zweiten Halbjahr seien Wachstumsraten wie 2018 oder 2019 außer Reichweite.

Deutsche Manager blicken ebenfalls pessimistisch in die Zukunft. Der Ifo-Index, der die Stimmung in den Chef-Etagen widerspiegelt, verbuchte den größten Einbruch seit der Wiedervereinigung und lag mit 86,1 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit 2009. “Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind weite Teile der Wirtschaft schockgefrostet”, sagte NordLB-Chefvolkswirt Christian Lips. “Selbst bei einem günstigen Verlauf steht für das Jahr 2020 die schärfste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg an.”

ÖLPREIS FÄLLT ERNEUT - DOLLAR UNTER DRUCK

Auch am Ölmarkt hielt die Freude über das US-Konjunkturprogramm nicht lange. Hier komme schließlich noch der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland hinzu, sagte Bjornar Tonhaugen, Chef Ölanalyst des Research-Hauses Rystad. Da diese wichtigen Förderländer den Ölhahn bis zum Anschlag aufdrehten, drohe ein massives Überangebot. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,3 Prozent auf 26,79 Dollar je Barrel (159 Liter).

Devisenanlegern machte das US-Hilfspaket vorerst mehr Mut. Sie zogen sich aus dem “sicheren Hafen” Dollar zurück und steckten ihr Geld in andere Währungen. Dies drückte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, 0,6 Prozent ins Minus. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro um 0,4 Prozent auf 1,0833 Dollar. “Wir müssen aber abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln”, mahnte Anlagestratege Kenneth Broux von der Bank Societe Generale.

E.ON NACH ZAHLEN IM AUFWIND - REISEWERTE GEFRAGT

Am deutschen Aktienmarkt gehörte E.ON mit einem Kursplus von 6,5 Prozent auf 8,86 Euro zu den Favoriten. Das ist der größte Tagesgewinn seit vier Jahren. Der Versorger will trotz Corona-Krise den operativen Gewinn 2020 erneut steigern und stellte eine höhere Dividende in Aussicht. Diese Ankündigung und die soliden Zahlen seien ermutigend, sagte ein Börsianer.

An der Wall Street gewannen die Papiere von Boeing zeitweise fast 37 Prozent, so viel wie nie. Insidern zufolge will der Airbus-Rivale die Produktion seines Unglücksfliegers 737 MAX im Mai wieder aufnehmen. Außerdem plant die US-Regierung Insidern zufolge für die angeschlagene Luftfahrt-Industrie ein bis zu 33 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket.

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