April 30, 2020 / 9:52 AM / 25 days ago

Börsenrally vorerst beendet - EZB und US-Daten enttäuschen

Frankfurt (Reuters) - Ernüchternde Konjunkturdaten und Firmenbilanzen bereiten der Rally an den internationalen Börsen zunächst ein Ende.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Außerdem drücke der Verzicht der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die erhoffte Aufstockung der Wertpapierkäufe auf die Stimmung, sagte Elwin de Groot, Chef-Anlagestratege der Rabobank.

Dax und EuroStoxx50 verloren am Donnerstag jeweils mehr als zwei Prozent auf 10.861,64 und 2917,91 Punkte, nachdem sie in den vorangegangenen Tagen etwa sieben Prozent zugelegt hatten. An der Wall Street verlor der US-Standardwerteindex Dow Jones zunächst 1,1 Prozent.

Ähnlich wie die US-Notenbank Fed beschränkte sich die EZB darauf, ihre Bereitschaft zu weiteren Konjunkturhilfen zu betonen, sollten diese notwendig werden. Offenbar wolle sie die Regierungen im Kampf gegen die Folgen der Coronavirus-Pandemie zu mehr Hilfspaketen und finanzieller Solidarität drängen, sagte Ulas Akincilar, Chef-Händler des Online-Brokers Infinox. “So umfangreich das Konjunkturpaket der EZB auch ist, sie ist darum bemüht, die letzte und nicht die erste Verteidigungslinie zu sein.”

ERNÜCHTERNDE KONJUNKTURDATEN

Unterdessen schlägt sich die Coronavirus-Pandemie in den Konjunkturdaten nieder: So brach die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal um 3,8 Prozent ein. Das ist der größte Rückgang seit beginn der Aufzeichnungen 1995. “Fast der gesamte Schaden entstand in den letzten beiden Wochen des Quartals”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. Daher müsse für das laufende Quartal mit weiteren Rückschlägen gerechnet werden.

Jenseits des Atlantik ging die Entlassungswelle weiter: In der vergangenen Woche lag die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe bei 3,8 Millionen. Damit haben seit Ausbruch der Virus-Krise rund 30 Millionen Amerikaner Stütze beantragt. “Auch wenn diese Entwicklung nicht wirklich überraschend daherkommt, solche Zahlen rufen immer wieder in Erinnerung, dass die Musik an der Börse nicht schon wieder zu laut aufgedreht werden sollte”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Denn keiner kann ein Ende der Krise realistisch voraussagen und damit kann auch keiner die tatsächlichen wirtschaftlichen Schäden beziffern.”

ERNEUTER PREISSPRUNG BEI ROHÖL

Am Rohölmarkt nährte der überraschende Rückgang der US-Benzinbestände Hoffnungen, dass die Nachfrage wieder anzieht. Dies verhalf der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Preisanstieg von knapp 14 Prozent auf 25,61 Dollar je Barrel (159 Liter). Die US-Sorte WTI verteuerte sich sogar um 22 Prozent auf 18,34 Dollar.

Diese Rally sei aber nur ein Strohfeuer, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Die fast erschöpften Lagerkapazitäten füllten sich schließlich weiter, nur etwas langsamer.

SHELL ERSTMALS SEIT ZWEITEM WELTKRIEG MIT DIVIDENDENKÜRZUNG

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Stimmung am europäischen Aktienmarkt waren die Zahlen von Royal Dutch Shell. Der Ölkonzern kürzte nach einem Gewinneinbruch erstmals seit 80 Jahren seine Dividende. “Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen”, schrieben die Analysten der Investmentbank SP Angelt. Da sich die Öl-Nachfrage so schnell wohl nicht bessern werde, müssten sich die Anleger des Konkurrenten BP auf ähnliches einstellen. Shell-Aktien fielen in London um fast elf Prozent, BP-Papiere gaben sechs Prozent nach.

Auch die Chemiekonzerne BASF und Dow haben mit den Folgen der Virus-Krise zu kämpfen. Ihre Aktien verloren 5,2 und 2,5 Prozent. Dem Bankensektor setzten enttäuschende Geschäftszahlen der französischen Societe Generale (SocGen), der britischen Lloyds und der dänischen Danske Bank. Ihre Aktien rutschten um bis zu 8,7 Prozent ab.

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