May 14, 2020 / 10:02 AM / 14 days ago

Rezessionsangst treibt Aktienanleger in die Flucht

Frankfurt (Reuters) - Aus Furcht vor einer langwierigen weltweiten Rezession nehmen Aktienanleger Reißaus. Ihren Pessimismus verstärkte der düstere Konjunkturausblick von US-Notenbankchef Jerome Powell.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

“Aktuell verabschieden sich immer mehr Anleger von der Erwartung einer zügigen V-förmigen Erholung nach der Krise”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Den Aufschwung hatten sie sich wohl etwas zu einfach vorgestellt.”

Dax und EuroStoxx50 verloren am Donnerstag jeweils zei Prozent auf 10.337,02 und 2754,54 Punkte, nachdem sie zwischen Mitte März und Ende April in der Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Coronavirus-Pandemie rund 30 Prozent zugelegt hatten. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,3 Prozent nach. “Wir glauben zwar nicht, dass der Markt seine jüngsten Tiefs noch einmal antesten wird”, sagte Tony Huntley, Chef-Anleger des Fondsanbieters Adansonia. “Das Beste hat er aber wohl schon hinter sich.”

Powell hatte am Mittwoch vor der schärfsten US-Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gewarnt. Die Erholung der Wirtschaft werde dauern. “Investoren beginnen zu realisieren, dass die Konjunkturhilfen nicht ausreichen, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Pleitewelle, die wir sehen werden, zu verhindern”, sagte Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman.

DOLLAR, GOLD UND ANLEIHEN GEFRAGT - ÖLPREIS STEIGT

Dies trieb Anleger in “sichere Häfen” wie die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um bis zu 0,3 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 100,556 Punkten. Zusätzlichen Rückenwind erhalte die US-Währung von der Absage Powells an negative Leitzinsen, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades.

Die “Antikrisen-Währung” Gold verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 1730,79 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Angesichts der anhaltenden Spekulationen um negative US-Leitzinsen bleibe ein Preisanstieg auf 2000 Dollar aber realistisch, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Schutz suchten Investoren auch bei Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf bis zu minus 0,557 von minus 0,526 Prozent.

Gefragt war auch Rohöl. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 2,9 Prozent auf 30,04 Dollar je Barrel (159 Liter). Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg verwies auf Anzeichen eines zurückgehenden Überangebots, nachdem die US-Lagerbestände in der vergangenen Woche erstmals seit Januar gefallen waren.

STARKE ZAHLEN BEFLÜGELN EURNEXT - LUFTHANSA IM AUFWIND

Bei den europäischen Aktienwerten stach Euronext heraus. Die Titel des Börsenbetreibers stiegen auf ein Rekordhoch von 88,90 Euro und lagen am Abend 2,4 Prozent im Plus bei 83,85 Euro. Dank gestiegener Umsätze und geringerer Kosten habe das Quartalsergebnis die Erwartungen übertroffen, lobte Analyst Martin Price von der Investmentbank Jefferies. Vor allem das Aktiengeschäft laufe gut und könne mittelfristig für positive Überraschungen sorgen.

Die Aktien der Lufthansa arbeiteten sich nach anfänglichen Verlusten an die Dax-Spitze vor und gewannen 2,4 Prozent. In Erwartung einer Lockerung der Reise-Beschränkungen will die Fluggesellschaft ab Juni das Angebot ihrer Verbindungen wieder ausweiten.

An der Wall Street gehörten die Papiere von Cisco mit einem Kursplus von 5,3 Prozent zu den Favoriten. Die Umsatzeinbußen des Netzwerk-Ausrüsters durch die Virus-Krise hätten schlimmer ausfallen können schrieb Analyst Paul Silverstein vom Vermögensverwalter Cowen. Die Ertragskraft sei sehr beeindruckend und spreche für die anhaltende Preissetzungsmacht des Unternehmens.

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