June 18, 2019 / 10:07 AM / 4 months ago

Hoffnung auf billiges EZB-Geld stützt Europas Börsen

The German share price index DAX graph is pictured at Frankfurt's stock exchange in Frankfurt, Germany March 14, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - EZB-Chef Mario Draghi hat am Dienstag für Freude bei den Anlegern gesorgt.

Der Italiener signalisierte eine weitere Lockerung der Geldpolitik, sollte die Inflation nicht anziehen. Dax und EuroStoxx50 drehten daraufhin ins Plus und notierten am Vormittag 0,6 beziehungsweise 0,8 Prozent fester bei 12.152 und 3409 Zählern. Draghi habe damit die Spekulationen am Markt angeheizt, sagte Elmar Völker, Analyst bei LBBW Research. “Falls es im Rahmen des G20-Gipfels Ende Juni nicht zu einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China kommt, dürften geldpolitische Lockerungsmaßnehmen aus dem Euro Tower eine fast sichere Angelegenheit sein.”

Die Aussicht auf niedrigere Zinsen in Europa locke Renditejäger wieder an, sagte Salah Bouhmidi, Marktanalyst beim Analysehaus DailyFX. “Durch die mögliche Ausweitung der expansiven Geldpolitik bleiben Aktien diesseits und jenseits des Atlantiks die einzige Wahl.” Die Frage sei aber, wie lange dies andauere. “Das Arsenal der Notenbanker ist zwar groß, dennoch geht die Munition langsam aus und die Wirkung der geldpolitischen Drogen lässt langsam nach.”

Der Euro gab nach den Äußerungen Draghis nach, die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,1189 Dollar 0,3 Prozent schwächer. Am Anleihemarkt fiel die Rendite der deutschen Bundesanleihe auf ein Rekordtief von minus 0,299 Prozent, die Verzinsung der österreichischen Bonds war mit minus 0,01 Prozent erstmals überhaupt negativ. Italien musste mit 2,166 Prozent so wenige Zinsen zahlen wie seit über einem Jahr nicht mehr.

GEWINNWARNUNG BEI SILTRONIC BELASTET TECH-AKTIEN

Eine Gewinnwarnung brockte dem Chip-Zulieferer Siltronic einen Kursrückgang von bis zu 15 Prozent ein - das ist der bislang stärkste Tagesverlust. Die Aktien kosteten mit 49,13 Euro zudem so wenig wie seit drei Jahren nicht mehr. Mitte 2018 kosteten sie noch rund 150 Euro. Die Exportbeschränkungen der USA für chinesische High-Tech-Firmen drückten auf die Nachfrage, erklärte das Unternehmen. “Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels”, sagte ein Händler. Derzeit gebe es keinen Grund, die Papiere zu kaufen.

Auch andere Chipwerte gaben nach. “Die Reihe von Gewinnwarnungen im Halbleitergeschäft ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Handelskrieg ein wichtiges Risiko ist”, sagte Simona Gambarini, Marktexpertin bei Capital Economics. Die Papiere von STMicro notierten zwei Prozent schwächer.

Infineon sackten um bis zu 6,6 Prozent auf 13,42 Euro und damit ebenfalls auf den niedrigsten Stant seit drei Jahren. Dabei spielte auch eine Kapitalerhöhung von etwa 1,5 Milliarden Euro eine Rolle, mit der die Münchner die bislang größte Übernahme der Firmengeschichte finanzieren wollen. Der Zeitpunkt der Kapitalerhöhung sei überraschend, schrieben die Experten der DZ Bank. “Der dabei erzielte Emissionserlös scheint geringer zu sein, als das Unternehmen vielleicht gedacht hat. Offenbar war die größere makroökonomische Unsicherheit durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, insbesondere die US-Sanktionen gegenüber chinesischen Tech-Unternehmen, der Grund für diese schnelle Entwicklung.”

Lufthansa gaben weitere 3,7 Prozent nach. Mehrere Analysten hatten die Titel herabgestuft, nachdem die Airline am Montag ihr Gewinnziel gekappt und damit die Aktie auf Sinkflug geschickt hatte.

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