July 26, 2019 / 1:30 PM / 14 days ago

Krisen-Cocktail setzt Börsen zu - Italien trübt Anlegerstimmung

An image shows the German share price index DAX at the German stock exchange in Frankfurt April 16, 2009. REUTERS/Johannes Eisele (GERMANY BUSINESS)

Frankfurt (Reuters) - Eine geballte Ladung verschiedener Krisen setzt den Börsen zu: der drohende Zerfall der italienischen Regierung, ein möglicher Chaos-Brexit sowie der ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China.

Vor allem letzteres hinterlasse Spuren in der Realwirtschaft, sagte Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank. “Das Welthandelswachstum stagniert, und die Wachstumsperspektiven verdüstern sich – die exportorientierten Volkswirtschaften sind dabei überproportional betroffen.” Die deutschen Ausfuhren gingen im Juni so stark zurück wie zuletzt vor fast drei Jahren.

Dax und EuroStoxx50 verloren am Freitag jeweils 1,1 Prozent auf 11.711 beziehungsweise 3337 Punkte. Der Leitindex der Mailänder Börse rutschte sogar um bis zu 2,5 Prozent ab, nachdem Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini die Koalition seiner rechtspopulistischen Lega mit der 5-Sterne-Bewegung für gescheitert erklärt hatte.

Staatspräsident Sergio Mattarella werde zunächst sicher eine Kabinettsumbildung versuchen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Aber auch unter einer neuen Mitte-Rechts-Regierung unter Führung der Lega nach möglichen Neuwahlen im Oktober seien die Aussichten nicht rosig. “Strukturreformen werden - wenn überhaupt - nur in geringem Maße erfolgen. Italien wird weiter das schwache Glied im Euroraum bleiben.”

Investoren warfen erneut Anleihen des südeuropäischen Landes aus ihren Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf bis zu 1,814 Prozent. Gleichzeitig stieg der Risikoaufschlag zu vergleichbaren Bundestiteln auf ein Sechseinhalb-Wochen-Hoch. Da italienische Banken zahlreiche Bonds ihres Landes halten, gerieten ihre Aktien ebenfalls unter Druck. Der italienische Bankenindex fiel auf ein Drei-Jahres-Tief von 7271,02 Punkten. In seinem Sog verloren die Finanzwerte der Euro-Zone im Schnitt 2,6 Prozent.

PFUND FÄLLT AUF ZWEIEINHALB-JAHRES-TIEF

In Großbritannien lähmt die Angst vor einem ungeordneten EU-Ausstieg des Landes die dortige Wirtschaft. Diese schrumpfte im zweiten Quartal. Es war der erste Rückgang seit 2012. “Es wird klar, dass sich die Konjunktur verschlechtert, und die Schäden im Zusammenhang mit dem Brexit können nicht länger als Panikmache abgetan werden können”, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. Das Pfund Sterling fiel auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 1,2056 Dollar.

Vor diesem Hintergrund hielt sich die “Antikrisen-Währung” Gold über der psychologisch wichtigen Marke von 1500 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe notierte mit minus 0,598 Prozent nur knapp über ihrem Rekordtief. Einige Anleger griffen zudem wieder zu Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verteuerte sich um bis zu vier Prozent auf 12.127 Dollar.

Zu den wenigen Gewinnern am europäischen Aktienmarkt zählte Bayer mit einem Kursplus von 3,5 Prozent. Einem Medienbericht zufolge will der Pharma- und Agrarchemiekonzern die zahlreichen US-Klagen wegen des umstrittenen Unkraut-Vernichters Glyphosat durch einen acht Milliarden Dollar schweren Vergleich beilegen. Offenbar habe ein starker Anstieg der Klagen in den vergangenen Monaten zu einem Stimmungsumschwung bei Bayer geführt, konstatierte Analyst Volker Braun von Bankhaus Lampe.

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