April 22, 2020 / 11:18 AM / in a month

Europas Börsen im Aufwind - EU-Gipfel im Blick

Frankfurt (Reuters) - In der Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Coronavirus-Pandemie decken sich Anleger wieder mit Aktien ein.

A plastic bull figurine, symbol of the Frankfurt stock exchange is pictured in front of the share price index DAX board at the stock exchange in Frankfurt, Germany, May 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Gleichzeitig warteten sie am Donnerstag gespannt auf die Ergebnisse des EU-Gipfels zu diesem Thema. Entscheidend sei die Frage, wie schnell sich die Verantwortlichen in Richtung gemeinsamer Schulden bewegten, sagte Volkswirt George Cole von der Bank Goldman Sachs. Ein klares Bekenntnis zu “Corona-Bonds” sei aber nicht zu erwarten.

Dax und EuroStoxx50 stiegen bis zum Abend um jeweils ein Prozent auf 10.513,79 und 2860,15 Punkte. An der Wall Street rückte der Standardwerteindex Dow Jones 1,2 Prozent vor. Mut machten Investoren die US-Konjunkturdaten. Zwar stellten in der vergangenen Woche 4,4 Millionen Beschäftigte Antrag auf Arbeitslosenhilfe. In der vorangegangenen Woche hatte die Zahl der Erstanträge aber noch um etwa ein Million höher gelegen. Dies schüre Hoffnungen, dass das Schlimmste vorüber sei, sagten Börsianer.

Auch von einer Serie rabenschwarzer europäischer Daten ließen sich Investoren nicht aus dem Konzept bringen. Das Stimmungsbarometer der europäischen Einkaufsmanager fiel um etwa zwei Drittel auf ein Rekordtief von 13,5 Punkten. Der Gfk-Index, der die Kauflaune der deutschen Verbraucher widerspiegelt, stürzte um fast 26 Zähler auf minus 23,4 Punkte ab. “Diese Umfragen erzählen einem nichts, was man durch den Blick aus dem Fenster nicht sowieso schon weiß”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank.

BILLIONENSCHWERER WIEDERAUFBAUFONDS

Unterdessen berieten die Staats- und Regierungschefs über einen billionenschweren Wiederaufbaufonds zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Der Druck sei groß und der Streit über eine Ausgabe gemeinsamer “Corona-Bonds” zur Überwindung der Krise werde der Knackpunkt der Gespräche, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Die Kunst wird darin liegen, einen Kompromiss zu finden, denn Nord- und Südstaaten als Sieg verkaufen können.”

Langwierige Verhandlungen seien “klassisch europäisch”, sagte Iain Stealy, Chef-Anleger für Anleihen bei der Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan. Am Ende werde man sich aber sicher zusammenraufen. Am Anleihemarkt entspannte sich die Lage etwas. So fiel die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf 1,991 von 2,107 Prozent. Das Land ist von der Pandemie besonders hart gebeutelt.

ÖLPREIS ZIEHT WIEDER AN - TRUMP DROHT IRAN

Auch mit Rohöl deckten sich Investoren wieder ein. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um knapp elf Prozent auf 22,56 Dollar je Barrel (159 Liter), die US-Sorte WTI legte sogar 31 Prozent auf 18,06 Dollar zu. “Dafür dürfte die erneute Drohung von US-Präsident Donald Trump in Richtung des Iran mitverantwortlich sein”, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Trump kündigte den Beschuss iranischer Boote an, sollten sie US-Schiffe drangsalieren. Wegen des weltweiter Überangebots seien die aktuellen Kursgewinne aber wohl nur von kurzer Dauer, warnten Börsianer. Im Windschatten des anziehenden Ölpreises legten auch die Aktien von Ölfirmen zu. So gewann der europäische Branchenindex drei Prozent. In den USA schnellten die Titel von Exxon und Chevron bis zu sechs Prozent hoch.

Unterdessen verteuerte sich Gold um ein Prozent auf 1730,42 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Investoren rechneten damit, dass bei den geldpolitischen Beratungen mehrerer Notenbanken in der kommenden Woche weitere Konjunkturhilfen verkündet würden, sagte Analyst Xiao Fu von der Bank of China. “Man kann Geld drucken, aber kein Gold.”

ÜBERNAHMESPEKULATIONEN UM DEUTSCHE WOHNEN

Am deutschen Aktienmarkt rückte Deutsche Wohnen ins Rampenlicht. Der Immobilienkonzern Vonovia streckt erneut seine Fühler nach dem Konkurrenten aus. Die Aktien von Deutsche Wohnen gewannen 4,8 Prozent, diejenige von Vonovia verloren 2,5 Prozent.

An der Wall Street rutschten die Titel von Crocs um bis zu 13 Prozent ab. Der für seine Gummi-Schlappen bekannte Schuh-Hersteller blieb mit einem Quartalsumsatz von 281,2 Millionen Dollar und einem Gewinn von 0,16 Dollar je Aktie hinter den Markterwartungen zurück. Außerdem warnte das Unternehmen wegen der Virus-Restriktionen mit weiteren Einbußen im laufenden Quartal.

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