November 24, 2017 / 3:29 PM / in 20 days

Konjunkturoptimismus treibt Europas Börsen - Euro bremst

Frankfurt (Reuters) - Der Optimismus in den deutschen Chef-Etagen hat Europas Aktienanleger am Freitag aufgemuntert.

The German share price index, DAX board, is seen at the stock exchange in Frankfurt, Germany, November 20, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Dax legte am Nachmittag 0,9 Prozent auf 13.125 Punkte zu. Der EuroStoxx50 gewann 0,6 Prozent auf 3594 Zähler. “Der politische Stillstand in Berlin schlägt sich noch nicht auf die Stimmung nieder, auch nicht auf die Geschäftserwartungen”, urteilte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg im November auf einen Rekordwert von 117,5 Punkten.

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader wertete die Bereitschaft der SPD, sich doch an Gesprächen über eine Regierungsbildung zu beteiligen, positiv. “Damit kommt Deutschland einer Regierung wieder ein Stück näher.” Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trifft sich in der kommenden Woche mit den Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD zu einem gemeinsamen Gespräch.

An der Wall Street zeichnete sich am Nachmittag eine festere Börseneröffnung ab. Anleger setzten auf ein starkes Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel. Dort beginnt mit den Marketing-Initiativen “Black Friday” und “Cyber Monday” die heiße Phase.

EURO WEITER STARK

Im Blick behielten die Börsianer allerdings den weiter starken Euro: die Gemeinschaftswährung stieg auf ein Acht-Wochen-Hoch von 1,1883 Dollar und machte damit Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig. “Für eine weitere positive Entwicklung des Dax wäre es wichtig, dass der Euro nicht noch weiter steigt”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Ein in Richtung Jahreshoch steigender Euro dürfte die Hoffnungen auf eine Jahresendrally schnell zunichtemachen.”

BASF PLANT FUSION IM ÖL- UND GASGESCHÄFT

Kräftige Kursgewinne beim Dax-Schwergewicht BASF sorgten für Auftrieb: der Chemieriese prüft die Zusammenlegung seiner Öl- und Gas-Tochter Wintershall mit der vom russischen Milliardär Mikhail Fridman kontrollierten Dea AG. Mittelfristig wäre ein Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens eine Option, teilte BASF mit. “Der Ausgang der Gespräche ist offen und es besteht keinerlei Gewissheit, dass eine Transaktion vollzogen wird.” Die BASF-Aktien schossen bei hohen Umsätzen um mehr als drei Prozent nach oben auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 95,29 Euro. Damit führten sie die Gewinnerliste im Dax an.

HOFFNUNG AUF SCHUB FÜR CHINA-GESCHÄFT TREIBT KONSUMWERTE

Zu den Favoriten der Aktienanleger zählten Lebensmittel- und Konsumwerte. Auftrieb erhielten sie Börsianern zufolge von der Ankündigung Chinas, Importzölle auf bestimmte Produkte zu halbieren. Die Titel von Danone stiegen in Paris um bis zu 1,8 Prozent. An der Londoner Börse markierte der “Johnnie Walker”-Anbieter Diageo mit 2654,5 Pence ein Rekordhoch.

Die Papiere von Mediaset legten in der Spitze sogar 7,5 Prozent zu. Der Zeitung “Il Messaggero” zufolge winkt dem Medienkonzern des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ein Auftrag der Telecom Italia im Volumen von 600 Millionen Euro. Außerdem denke der französische Konkurrent Vivendi über eine 700 Millionen Euro schwere Zahlung an Mediaset nach, um den Streit um die geplatzte Übernahme der Pay-TV-Sparte der Berlusconi-Firma beizulegen.

Gefragt waren auch italienische Finanzwerte. Die HVB-Mutter Unicredit, Ubi Banca und Banco BPM gewannen bis zu sechs Prozent. Zeitungsberichten zufolge sind in zwei EU-Gesetzentwürfen die Risiken eines überstürzten Abbaus fauler Kredite erwähnt. Börsianer werteten dies als Hinweis auf eine Abschwächung der von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgeschlagenen Vorgaben. Italienische Geldhäuser sitzen auf einem Berg fauler Kredite.

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