April 30, 2015 / 1:53 PM / in 5 years

"Blitz-Crash" am Anleihenmarkt - Historisches Minus

Frankfurt (Reuters) - Der Ausverkauf an den europäischen Anleihemärkten geht weiter.

Traders work at their screens at the stock exchange in Frankfurt January 23, 2015. European shares rose in early trade on Friday, gaining ground for the seventh consecutive session, as investors cheered the European Central Bank's decision to buy government bonds. REUTERS/Pawel Kopczynski/remote (GERMANY - Tags: BUSINESS) - RTR4MMQZ

Dadurch büßte der wichtige Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, binnen zwei Tagen fast drei volle Punkte ein - so viel wie noch nie in seiner Geschichte. Börsianer wollten dennoch keine Panik verbreiten: “Die Kursbewegung ist zwar stark, für das Platzen einer Blase ist der Knall aber zu leise”, sagte ein Rentenanalyst in Frankfurt.

Am Donnerstag fiel der Terminkontrakt um bis zu 124 Ticks auf ein Zwei-Monats-Tief von 156,49 Punkten. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg spiegelverkehrt auf von 0,28 auf 0,38 Prozent. “Der Blitz-Crash fördert die strukturelle Schwäche des Bondmarktes zutage”, schrieb Commerzbank-Analyst Markus Koch in einem Kommentar. Die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro trockneten den Markt aus, weil immer weniger Papiere verfügbar seien. Durch diese Verknappung sei der Markt anfällig für Kursausschläge.

Kochs Kollegen von der Royal Bank of Scotland (RBS) machten zusätzlich Gewinnmitnahmen, milliardenschwere Anleihe-Emissionen europäischer Staaten und die Hoffnung auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit[ID:nL5N0XR3FZ] für die Verkäufe verantwortlich. Eine mögliche Entspannung der Krise macht die als sicher geltenden, aber renditeschwachen Bundespapiere für viele Anleger unattraktiver.

WETTE AUF SPÄTERE US-ZINSERHÖHUNG

Der Euro kletterte um mehr als einen US-Cent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,1248 Dollar. Er profitierte Börsianern zufolge von Spekulationen auf eine Verschiebung der bislang für Sommer erwarteten US-Zinserhöhung. Dieses Szenario hatte ihm - ausgelöst durch das schwache Wirtschaftswachstum[ID:nL5N0XQ4DO] im ersten Quartal - am Vortag bereits zu einem Kursplus von rund eineinhalb US-Cent verholfen und den Dax im Gegenzug um mehr als drei Prozent abstürzen lassen. Auch die Aktienbörsen in Asien gingen auf Tauchstation.

Am Donnerstag sorgten dann starke Arbeitsmarktdaten bei einigen Anlegern für ein Umdenken. Dies drückte den Euro auf 1,1133 Dollar. Im Gegenzug ging der Dax auf Erholungskurs und gewann 0,7 Prozent auf 11.517 Punkte. Der EuroStoxx50 zog um 0,3 Prozent auf 3628 Zähler an. Eine Abwertung des Euro macht die Produkte europäischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger.

ZAHLENFLUT SORGT FÜR BEWEGUNG

Aus einer wahren Flut von Quartalsergebnissen in Deutschland kamen die Zahlen von Fresenius und der Deutschen Börse bei den Anlegern gut an. Papiere des Gesundheitskonzerns gewannen in der Spitze 8,6 Prozent[ID:nL5N0XQ74L], Anteilsscheine des Betreibers der Frankfurter Börse zogen um 3,4 Prozent an[ID:nL5N0XQ74L].

An der Londoner Börse setzten sich Royal Mail mit einem Kursplus von 5,3 Prozent an die Spitze des Auswahlindex FTSE. Der Briefzusteller muss vorerst keinen härteren Wettbewerb fürchten. Der niederländische Rivale PostNL hatte die Verhandlungen mit dem Finanzinvestor LDC, der zur Lloyds Bank gehört, über einen gemeinsamen Ausbau der britischen PostNL-Tochter “Whistl” abgebrochen.

Nokia fielen dagegen in Helsinki um bis zu 13,3 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 5,87 Euro. Das ist der größte Kurssturz seit zweieinhalb Jahren. Der Betriebsgewinn[ID:nL5N0XR36P] des finnischen Mobilfunkausrüsters war unter anderem wegen hoher Entwicklungskosten und des Preiskampfs mit der chinesischen Konkurrenz überraschend stark um 61 Prozent eingebrochen.

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